DVD - Oper aus der Flimmerkiste

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    • Liebe Severina,

      als DVD gibt es den MET-Barbiere möglicherweise gar nicht, ich habe ihn jedenfalls bisher nicht finden können (dabei wäre das auch mal wieder eine Aufnahme, die ich mir sofort ohne Rücksicht auf Verluste kaufen würde).
      Also, wenn du sie mal im Fernsehen ergattern kannst, kann ich dir nur raten, zuzuschlagen.
      Gibt es hier noch jemand anderen, der diese Aufnahme kennt?

      Die "Fille"-DVD aus Wien habe ich inzwischen auch und sie ist in der Tat ein netter Spaß, aber obwohl ich Dessay und Florez sehr mag, zieht sie mich nicht magisch an. Deine jüngsten Besprechungen im WSO-Thread habe ich dennoch mit großem Vergnügen gelesen.

      Rein aus Neugier: was ist denn außer dem ROH-Onegin in deiner aktuellen Bestellung noch dabei?

      VG, stiffelio

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von stiffelio ()

    • Liebe Stiffelio,

      eher keine Bestellung für Dich, denn sie enthält nur 2 DVDs (neben dem Onegin noch einen Macbeth mit Keenlyside), ansonsten nur CDs (Massenets "Therese", "Tancredi" und "Moise" von Rossini, Verdis "Oberto") Im November kommt dann noch die brandneue "Les Troyens"-DVD, wo es seinerzeit bei der TV-Übertragung eine intensive, von unserem lieben Rideamus angeregte Diskussion gegeben hat.

      Bist Du sicher, dass Du die WIENER "Fille du Regiment" besitzt? Auf DVD gibt es nämlich nur die Londoner (gleche Inszenierung, gleiche Besetzung von Tonio und Marie, aber in den Nebenrollen nicht so optimal), unsere kam allerdings als TV-Übertragung. Klar, für tiefsinnige Interpretationen gibt diese Oper absolut nichts her, wohl aber für Belcanto-Junkies wie mich :D. Außerdem muss es ja nicht immer so bierernst zugehen auf der Opernbühne, manchmal darf man sich einfach auch einmal nur amusieren. (Wobei ich gerne zugebe, dass es auch dafür bessere Werke gbt!)

      lg Severina :hello
    • Liebe Severina,

      ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen :D :D.
      Ich bin auch händeringend auf DVD-Suche bezüglich Mattei als Don Giovanni. Aktuell scheint es nur zu Mondpreisen die Aufführung aus Aix-de-Provence 2007 unter der Regie von Brooks zu geben. Was ich an Ausschnitten auf YT gefunden habe, hat mich noch nicht so überzeugt, dass ich mir die zu diesem Preis zulegen würde. Kennst du sie und hat sie dich voll überzeugt?

      Dann gibt es noch im Netz die Scala-Aufnahme von 2011, die von dir hier auch nicht gerade enthusiastisch besprochen wurde. Mattei finde ich darin dennoch ziemlich gut, aber ich würde vermuten, dass er es noch deutlich besser kann.
      Schließlich gibt es noch einen Mitschnitt eines Pariser Don Giovanni von 2012, aber das ist erstens ein Amateurvideo und zweitens fand ich die Regie noch wesentlich gewöhnungsbedürftiger als in Mailand.

      Kennst du (oder irgendjemand anderes hier im Forum) eine empfehlenswerte Aufnahme mit Mattei als Don Giovanni?

      VG, stiffelio
    • Francesco Cavalli: IL GIASONE (Vlaamse Opera Antwerpen, 2010)

      Ohne einen gezielten Hinweis von Severina wäre ich sicher nie auf diese sehr kurzweilige, herrlich witzige und von einer sängerdarstellerisch tollen Leistung aller Beteiligten getragene Produktion aufmerksam geworden. Wenn man wie ich hochbarocken Meistern à la Händel verfallen ist, bedeutet ein frühbarockes Werk wie Cavallis Il Giasone eine gewisse Umstellung, obwohl auch hier durchaus virtuoser Gesang geboten wird (nur eben nicht so ganz bis zum Exzess).


      [Bildquelle: amazon.de]

      Pietro Francesco Cavalli (1602-1676) hinterließ 42 Opern, von denen 28 erhalten blieben. Bisher war mir nur La Calisto ein Begriff, was natürlich nichts zu bedeuten hat, denn das "Drama musicale in einem Prolog und drei Akten" Il Giasone war eine der erfolgreichsten Arbeiten von Cavalli und seinem Librettisten Giacinto Andrea Cicognini. Der Hintergrund der 1648 (oder 1649) in Venedig uraufgeführten Oper beruht auf der mythologischen Geschichte um Jason und den Raub des Goldenen Vlieses. Allerdings schuf Cicognini etwas sehr Eigenes, in dem der Ursprungsstoff nur schwach zu erkennen ist: im Wesentlichen eine mit Intrigen und Untreue plus darauf folgende Rache gespickte Vierecksgeschichte um die Paare Giasone/Isifile und Egeo/Medea, wobei es der Titelheld auf Medea abgesehen hat und überhaupt vor allem scharf auf amouröse Abenteuer denn auf kriegerische Pflichten (letztere laufen eher so nebenbei) ist. Das und eine Vielzahl komischer (Diener-)Rollen gibt Stoff für mehr als drei Stunden Oper.

      Die Diskographie dieser musikalisch und dramaturgisch abwechslungsreichen Oper ist bisher schmal: eine Gesamtaufnahme auf CD unter Rene Jacobs mit Michael Chance in der Titelpartie aus den 1990ern und eben der hier besprochene Live-Mitschnitt von 2010 (erschienen 2012 sowohl als CD als auch auf DVD) mit folgenden Akteuren:

      Giasone ... Christophe Dumaux
      Medea ... Katarina Bradic
      Isifile ... Robin Johannsen
      Ercole / Oreste ... Andrew Ashwin
      Demo ... Filippo Adami
      Giove / Besso ... Josef Wagner
      Amore / Alinda ... Angélique Noldus
      Delfa / Eolo ... Yaniv D'Or
      Egeo / Sole ... Emilio Pons

      Symphony Orchestra of Vlaamse Opera Antwerp/Ghent
      Dirigent ... Federico Maria Sardelli

      Regie ... Mariame Clément
      Bühne/Kostüme ... Julia Hansen


      Die junge französische Opernregisseurin Mariame Clément (die auf dem Bonustrack der DVD einige ihrer Gedankengänge zum Stück erläutert) und ihre Ausstatterin Julia Hansen schaffen hier eine zeitlose eigenwillige Szenerie (Betonung des maritimen Hintergrundes durch einen clever multifunktional benutzten Schiffscontainer und Landungssteg-artige Gebilde sowie einen recht romantischen tiefblauen Hintergrund) und Kostümvielfalt (partielle Tierkostüme, Schottenröcke, Abendkleider, Unterwäsche, Hornbrillen, Rucksäcke etc.), die sich stilistisch schwer mit Worten charakterisieren lassen, aber bzgl. kurzweiliger Unterhaltung gut funktionieren und immer wieder z.T. skurrile Gags, Stripeinlagen, aber auch eindringliche-traurige Momente (vor allem Isiflies herzzerreißendes Lamento kurz vor Schluss) bereithalten. Es gibt hier keinen Moment Rampensingen, alle Darsteller tun nachvollziehbare Dinge und das pauschale Ensemblelob betreffs der sängerdarstellerischen Leistung ist hier ganz und gar nicht als Phrase gemeint: die Mitwirkenden sind ohne Ausnahme hervorragend für die jeweilige Rolle ausgewählt, sowohl stimmlich -- da gibt es einfach wunderbare "Barockstimmen" zu hören, die partiturbedingt nicht ganz an den Rand der Koloraturohnmacht getrieben werden -- als auch optisch. Apropos "optisch". Wenn ich nun doch einen Star der Aufnahme benennen müsste, so wäre es wohl schon der Sänger der Titelpartie, Christophe Dumaux, der nicht nur ein in allen Lagen hell und warm klingender Countertenor ist, sondern in dieser Inszenierung (die vielleicht sogar auf seine Erscheinung zugeschnitten wurde) auch immer wieder seinen durchtrainierten Körper in leichter Bekleidung zeigen darf! Aber nicht nur das, auch dank ausgefeilter, differenzierter Mimik und Gestik liefert er ein unvergessliches Rollenporträt des kindisch-leidenschaftlichen Giasone, der nur den Augenblick lebt ohne Rücksicht auf Verluste. Zum Glück gibt es jadennoch ein Happy End... Der zweite Countertenor in der Runde, Yaniv D'Or, der in der Travestierolle (oder sagt man "Rockrolle" als Pendant zur Hosenrolle?) der Dienerin Delfa bedeutend weniger zu singen hat, punktet als die komischste der komischen Figuren: etwas herber im Timbre, aber wie er die Bewegungen einer komischen Alten beherrscht -- einfach umwerfend! Die vielleicht traurigste Figur des Stückes ist Isiflie, Giasones Verschmähte, die er mit neugeborenen Zwillingen hat sitzen lassen, und dieser haucht Robin Johannsen Leben ein, so dass man, falls so veranlagt, zu Tränen gerührt ist. Ganz anders die anderen beiden Damen: die dämonische Medea (Katarina Bradic mit dunklem Mezzosopran) und die luftige Dienerin Alinda (Angélique Noldus mit schlankem Sopran). Anders als in hochbarocken Opernwerken, tummeln sich nun bei Cavalli auch eine Menge "echter" Männerstimmen (Andrew Ashwin, Filippo Adami, Josef Wagner, Emilio Pons), so dass es kein Ungleichgewicht zugunsten hoher Stimmen gibt. Federico Maria Sardelli beschränkt sich nicht nur auf ein spritziges, mitreißendes Dirigat sondern greift auch hin und wieder selbst zu einer seiner drei Blockflöten -- ein ungewohntes Bild, so ein flötender Dirigent!

      Fazit: Eine lohnende Anschaffung für Cavalli-Fans, Freunde schöner Stimmen und schräger Inszenierungen (letztere zwei Punkte treffen auf mich zu). Zum Testen gibt es ein paar Ausschnitte auf Youtube, z.B. hier:

      youtube.com/watch?v=XSOTx2Nlt-E
      youtube.com/watch?v=FWWsHP7OooM
      youtube.com/watch?v=wM-u8DIlWcE
      youtube.com/watch?v=16730gB1zls
      youtube.com/watch?v=VyMIIBA-Xuo

      :hello Viele Grüße, Rk

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rotkäppchen ()

    • Ich muss mal den Thread ans Licht zerren und erzählen, dass ich endlich, endlich in den letzten zwei Tagen mir die Zeit genommen habe, diese DVD zu genießen:




      Es wurde hier ja schon mal irgendwo erwähnt, aber ich konnte den Thread nicht mehr finden.
      Man muss Countertenöre mögen, um diese Aufnahme zu genießen. Nicht weniger als fünf sind zu hören, und dazu ein einziger Tenor - das wars. Keine Sängerin, obwohl es zwei Frauenrollen gibt. Ja, auch diese werden von Männern dargestellt. Als "Artaserse" uraufgeführt wurde (1730, wenn ich es richtig behalten habe) waren Bühnenauftritte von Frauen in Rom verboten.
      Aber es gibt keinen Tuntenklamauk, im Gegenteil: Max Emanuel Cencic und Valer Barna-Sabadus machen eine großartige Figur im Reifrock, und bei dem Aufwand an Theaterschminke, der hier getrieben wurde, kann man Männlein und Weiblein sowieso nicht unterscheiden. Die Kostüme wurden den aufwändigen Roben abgeschaut, die man etwa in "Farinelli" schon bewundern konnte: Gigantische weiße Perücken mit Hörnchen, Straußenfedern auf Köpfen und Schultern, Spitzenmanschetten und Fazzoletti und alles, was dran ist. Aber alles mit einem gesunden Schuss Ironie präsentiert. Überhaupt bin ich begeistert von dem durchgehend mitschwingenden Humor dieser Aufführung, der den tief innigen Momenten keinen Abrruch tut.
      Von den Sängern tritt natürlich Franco Fagioli mit seinen furiosen Arien am meisten hervor (er ist praktisch die Hauptperson, obwohl nicht die Titelfigur), er hat zweifellos die spektakulärsten Momente in der Oper, aber mir persönlich hat Valer Barna-Sabadus als Semira besonders gefallen. Sabadus verströmt nicht die Energie der männlichen Rollenfiguren; er stellt ja auch eine Frau dar, und die Frauen haben in dieser Oper nicht viel zu bestellen, sie klagen nur. Aber diese warmherzig vorgetragenen Klagen, untermalt mit einer Gestik und Mimik, die wirklich vergessen lässt, dass da ein Mann im Reifrock steckt, haben mich sehr berührt. Man glaubt kaum, dass so etwas möglich ist, es mutet irgendwie schräg an .... Aber es geht, und zwar großartig.
    • Wenn man mir vorher gesagt hätte: "Schau mal in diese Oper, da singen fünf Counter und ein Tenor, die Handlung dreht sich die ganze Zeit im Kreis, und es gibt zwei Männer in Frauenrollen" hätte ich gedacht, das kann doch nichts werden! Obwohl ich Counter ja mag.
      Aber an dieser DVD stimmt wirklich alles; nicht nur die Produktion selbst, auch die Kameraperspektiven, die die ironische Doppelbödigkeit der Regie schön herausstellen. Dass es trotzdem niemals in Jux ausartet, sondern anrührt und begeistert, beweist das große Können der Sänger.
      Sogar der Oberschurke (der einzige Tenor) darf in einer bewegenden Arie im dritten Akt ("Nino ...." ) Würde und Edelmut zeigen.
    • Eigentlich bin ich überhaupt kein Freund von Opern auf DVD und damit heutzutage wohl ziemlich unmodern. ;) Aber auch bei mir gibt es einige Produktionen, die ich nicht nur besitze, sondern auch durchaus immer wieder einmal anschaue.
      Zunächst ist es diese hier:


      Klar, ich bin bekennender Furtwänglerianer und von daher ist es eigentlich ein Muss. Aber das ist es nicht nur. Erstmalig habe ich sie in einem großen Kino gesehen, was mich schon sehr beeindruckt hat. Und dann habe ich sie als DVD doch tatsächlich schon mehrfach in den Player geschoben.
      Ich liebe einerseits die angestaubte Atmosphäre der Inszenierung, die altertümlichen Farben, die manchmal betuliche Personenführung. Aber andererseits ist es dann die Intensität, mit der die Protagonisten dies aufladen. Allen voran Siepi als ein wahrlich überwältigender Giovanni. Aber für alle anderen gilt es eigentlich auch. OK, Erna Berger ist schon sehr reif in der Rolle der Zerlina, aber stimmlich...!!!
      Und dann ist es natürlich Furtwängler, der es einfach schafft, diese Partitur mit einer Kraft und mit einem Ausdruck wiederzugeben, die für mich jede Frage nach historischer Authentizität obsolet werden lassen.
    • Eigentlich nie sehe ich Opern auf DVD (was ich offensichtlich, bedenkt man den letzten Eintrag hier, mit vielen teile :) ) und nun ist es ausgerechnet der 'Don Giovanni', der bei mir wieder seinen Weg in den Player gefunden hat.

      Diesmal:



      Inszenierung: Joseph Losey
      Dirigent: Lorin Maazel
      Künstlerische Leitung: Rolf Liebermann
      Darsteller: Ruggero Raimondi, José van Dam, Edda Moser, Kiri te Kanawa, Kenneth Riegel, Teresa Berganza, Malcolm King, John Macurdy

      Natürlich bin ich durch den 'Don-Giovanni-Thread' wieder einmal auf diese Verfilmung gekommen. Auch wenn mich musikalisch nicht alles überzeugt, habe ich sie immer v.a. der Spielorte, der Ausstattung und der Inszenierung wegen geliebt. Und gerade die Inszenierung ist es, die ich nun besonders wieder gefesselt hat. Und ich habe allerdings auch gemerkt, wie sehr mein Bild dieser Oper von dieser Verfilmung, die ich damals, als sie in den Kinos erschien, mehrfach gesehen habe, geprägt wurde. Viel stärker auch als die der älteren Furtwängler-Inszenierung aus Salzburg. Oder der verschiedenen Inszenierungen, die ich live erlebt habe.

      Das ist schon große Inszenierungskunst eines großen Regisseurs. Und zudem alles eingebettet in diese unglaubliche 'Palladio-Welt' in Venetien.

      :hello Falstaff
    • Ja, diese Aufnahme habe ich vor 20(?) Jahren einmal im Fernsehen gesehen und gleich extrem interessant gefunden. Musikalisch konne ich sie da noch nicht so genießen, da ich auf VHS aufnahm und mein Fernseher nicht Stereo konnte (muß noch länger her sein...), aber das ganze Ambiente hat mir sehr gut gefallen, z.B. wo die drei "Masken" auf dem Boot daherkommen und im Schloß eintreffen.

      ---

      Meine bisher einzige Oper, die ich auf DVD gekauft habe, weil sie im Prinzip anscheinend niemals aufgeführt wird, ist der Idomeneo mit Harnoncourt:

      amazon.de/gp/product/B002ZHXR1…_detailpage?ie=UTF8&psc=1

      Sängerisch gefällt sie mir nicht ganz so, auch die Inszenierung ist ein wenig langweilig. Aber sonst musikalisch sehr hochwertig.
      --
      "Seine Arbeit ist genial! Nur hie und da... nur hie und da, so schien es mir..." - "Was meinen Eure Majestät?" - "Rosenberg, wie drückt man das aus?" - "Zu viele Noten, Majestät!" - "Exakt! Glänzend formuliert!"
      (Aus "Amadeus")
    • Guenther schrieb:

      Ja, diese Aufnahme habe ich vor 20(?) Jahren einmal im Fernsehen gesehen und gleich extrem interessant gefunden. Musikalisch konne ich sie da noch nicht so genießen, da ich auf VHS aufnahm und mein Fernseher nicht Stereo konnte (muß noch länger her sein...), aber das ganze Ambiente hat mir sehr gut gefallen, z.B. wo die drei "Masken" auf dem Boot daherkommen und im Schloß eintreffen.
      Lieber Guenther, wenn ich den Film damals nicht 3 oder 4x im Kino gesehen hätte, hätte ich mir die DVD sicherlich nie gekauft. Die habe ich bislang nämlich erst einmal geschaut. Auf einem kleinen TV-Gerät kommt es für mich einfach nicht richtig rüber.

      Musikalisch finde ich ihn wirklich nicht in allen Belangen wirklich gut. Die Moser ist stimmlich eigentlich keine Anna, die Berganza ist nun wirklich kein junges Bauernmädel mehr und auch wenn der Ottavio oftmals eine rechte Schlaftablette ist, ist Riegel schon fast eine Überdosis. Aber die Aufnahmen in und um die Villa Rotonda herum sind wirklich ein Traum. Und es passt eben auch so wunderbar. Die Rotonda hat etwas sehr Statuarisches und Arkadisches. Man sieht geradezu eine Adelsgesellschaft vor sich, die sich dem Wohlleben aus Sonne, Literatur, Konversation und gepflegtem Umgang miteinander hingibt. Und da gerade hockt nun Giovanni und bringt alles zu Bersten. Großartig!

      LG Falstaff
    • La nonne sanglante (Die blutige Nonne) ist eine französische Grand opéra von Charles Gounod und Eugène Scribe. Die Handlung ist, vorsichtig formuliert, bizarr: Der Protagonist Rodolphe heiratet versehentlich (!!!) den Geist einer ermordeten Nonne, die erst von ihm ablassen will, wenn er ihren Mörder tötet. Dieser ist, wie sich erst im weiteren Verlauf herausstellt, sein Vater…

      Die Musik ist über weite Strecken sehr lyrisch (bei dem Sujet eher unerwartet). Eine unheimliche Atmosphäre wird von der Musik nur an bestimmten Stellen evoziert, hauptsächlich bei der gespenstischen Hochzeitsprozession. Ansonsten ist das Werk typischer Gounod: Wie in Faust gibt es mehrere religiöse Szenen, Trinklieder, Ballette und eine überflüssige Hosenrolle; allerdings fehlt ein Musikstück, das ähnlich mitreißend wäre wie Mephistos Rondò oder das Schlussterzett von Faust. Die Musik ist durchgehend sehr melodisch und klangschön, aber sehr undramatisch.

      Ich besitze diese Aufzeichnung aus der Opéra-comique Paris auf Blu-ray:



      Rodolphe - Michael Spyres
      Agnès - Vannina Santoni
      La Nonne - Marion Lebègue
      Le Comte de Luddorf - Jérome Boutillier
      Arthur - Jodie Devos
      Pierre l’Ermite - Jean Teitgen
      Le Baron de Moldaw - Luc Bertin-Hugault
      Fritz - Enguerrand De Hys
      Anna - Olivia Doray

      Chor: accentus
      Insula Orchestra, Laurence Equilbey

      Regie: David Bobée

      Die Inszenierung siedelt die Handlung in der Gegenwart an (moderne Kostüme, hauptsächlich Leder), das schwarz-graue Bühnenbild ist dagegen sehr abstrakt und nicht klar zu verorten, neben modernen Kacheln gibt es auch gotische Bögen. Der Mord an der Nonne und der Konflikt der beiden Adelsfamilien werden am Anfang patomimisch in Zeitlupe dargestellt. Insgesamt wirkt alles angemessen düster-albtraumhaft. Besonders gelungen sind die Darstellung der Nonne (sehr gespenstisch) und die gesichtlosen Geistererscheinungen, die wie verwitterte Statuen wirken. Daher ist der 2. Akt, der die Hochzeit von Rodolphe mit der Nonne zeigt, der klare Höhepunkt dieser Produktion, zumal Gounod hier meiner Meinung nach auch die stärkste Musik komponiert hat. In den folgenden Akten lässt die Spannung leider nach.

      Die Produktion besticht durch eine hervorragende Besetzung. Die Hauptfigur der Oper ist Rodolphe, der fast die ganze Oper über auf der Bühne steht und auch die meisten Arien hat. Die meisten anderen Figuren tauchen nur in einzelnen Szenen auf. Michael Spyres lässt in der Titelrolle keine Wünsche offen, von stratosphärischen Höhen bis zu lieblichen piani ist alles dabei, auch schauspielerisch überzeugt er. Die Mezzosopranistin Marion Lebègue als Nonne ist mehr schauspielerisch als stimmlich gefragt und spielt die Rolle durchaus unheimlich. Die Ballette wurden deutlich gekürzt.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)


    • Georges Bizet/Eugène Cormon/Michel Carré: Les Pêcheurs de perles

      Zurga - Mariusz Kwiecien
      Nadir - Matthew Polenzani
      Leïla - Diana Damrau
      Nourabad - Nicolas Testé

      The Metropolitan Opera Orchestra and Chorus, Gianandrea Noseda
      Regie: Penny Woolcock
      Videogestaltung: 59 Productions

      Bizets Perlenfischer werden weitaus seltener aufgeführt als Carmen. Im Gegensatz zu dieser ist das Werk deutlich kleiner dimensioniert. Es steht in einer Reihe mit anderen orientalistischen Werken von David, Delibes und Saint-Saëns, die im Frankreich des 19. Jahrhunderts in Mode waren. Die Musik ist über weite Strecken sehr evokativ und enthält zahlreiche sehr eingängige Melodien, nicht nur im berühmten Duett „Au fond du temple saint“. Die sehr leise gesungene, träumerisch-elegische Tenor-Arie „Je crois entendre encore“ mit ihrem Barkarolen-Rhythmus ist eine meiner Lieblingsarien. Verglichen mit Carmen ist das Libretto schwach und undramatisch, die Schönheit der Musik entschädigt jedoch dafür.

      Handlung:

      Die Zeit der Handlung ist nicht ganz klar; da im zweiten Akt laut Libretto Schüsse zu hören sind, dürfte es bereits Kontakt mit Europäern gegeben haben.

      1. Akt: In einem Dorf auf Ceylon (heute Sri Lanka) wählen die Perlenfischer Zurga zu ihrem König. Zurgas Freund Nadir kehrt nach längerer Abwesenheit in das Dorf zurück. Zurga und Nadir erinnern sich, wie sie sich einst in die selbe Frau (Leïla, eine Priesterin) verliebt und, um ihre Freundschaft zu retten, geschworen haben, ihr zu entsagen. Eine verschleierte Frau wird in das Dorf geführt, die als neue Priesterin ausgewählt wurde. Sie soll für ein Jahr verschleiert und keusch bleiben, jede Nacht für die Perlenfischer beten und als Belohnung die schönste bis dahin gefundene Perle erhalten. Nadir erkennt in ihr Leïla. Als er nachts allein am Strand ihrem Gesang lauscht, bekennt er, sie heimlich getroffen und den Schwur gebrochen zu haben.

      2. Akt: Nachts im Tempelbezirk erzähl Leïla dem Priester Nourabad, wie sie als Kind einem fremden Mann das Leben gerettet und von ihm eine Halskette geschenkt bekommen hatte. Als sie allein ist, erscheint Nadir und beide besingen ihre Liebe, werden jedoch von Nourabad entdeckt. Die Bewohner fordern die Hinrichtung der beiden, Zurga will seinen Freund jedoch retten. Als Nourabad Leïla den Schleier entreißt, erkennt er Nadirs Verrat und befiehlt die Hinrichtung. Ein Sturm bricht los.

      3. Akt: Leïla bittet Zurga um Gnade für Nadir und entfacht so erneut Zurgas Eifersucht. In Zurgas Beisein schenkt ihre Halskette einem jungen Perlenfischer. Zurga erkennt die Halskette als seine; denn er ist der Mann, den Leïla einst gerettet hatte. Kurz bevor Leïla und Nadir getötet werden sollen, steckt Zurga das Dorf in Brand und verhilft beiden zur Flucht, sein eigenes Schicksal bleibt ungewiss (in späteren Fassungen, die erst nach Bizets Tod erstellt wurden, wird er gelyncht).

      Die Sänger dieser Produktion lassen kaum Wünsche offen. Besonders gelungen ist die sehr leidenschaftlich gesungene und gespielte Konfrontation von Damrau und Kwiecien im 3. Akt, der mir in meinen Audio-Aufnahmen immer als schwächster Teil der Oper erschien. Matthew Polenzani singt seine weitestgehend lyrische Partie sehr gefühlvoll und klangschön.

      Die Inszenierung verlegt die Handlung in die Gegenwart, behält den Schauplatz aber bei. Die Kostüme sind eine Mischung aus westlicher Kleidung (Zurga) und traditionellen Saris. Das Bühnenbild zeigt eine ärmliche Fischersiedlung am Meer. Trotz der Verlegung in die Gegenwart dominieren sehr ästhetische Bilder, wie der atmosphärisch beleuchtete nächtliche Bootsanleger am Ende des 1. Akts. Zu Beginn der Oper sieht man Artisten vor einer Meeresprojektion einen Tauchgang simulieren, beim in dieser Inszenierung nahtlosen Übergang vom 2. zum 3. Akt wird das Gewitter des Librettos durch realistische Videoprojektionen als verheerender Tsunami dargestellt (Anspielung auf den Klimawandel?). Alles in allem sehr empfehlenswert.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)