Sinfonie Nr. 5 A-dur

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    • Sinfonie Nr. 5 A-dur

      A-dur Hob. I: 5

      Nr. 14 nach Finscher
      Nr. 13 nach Csampai / Holland
      Nr. 4 nach Walter

      Wieder dient die viersätzige Sonata da chiesa dem jungen Lukawitzer Kapellmeister als Formmodell. Dementsprechend stehen alle Sätze in der Grundtonart, nur sporadisch kommt es zu kurzen Moll-Wendungen.

      Die Sätze tragen folgende Überschriften:
      Adagio ma non troppo - Allegro - Minuet - Finale. Presto

      Eingeleitet wird die Fünfte vom pastoral anmutenden Adagio im alla breve. Punktiert, mit Trillern verziert & durch Laut-leise-Kontraste recht klar & stofflich geformt, wartet der Satz mit anspruchsvollen Aufgaben für die Hörner auf. Hier wie auch im an dritter Stelle stehenden Menuett bewegen sie sich teils in unbequem hoher Lage. Schon dem (so wie mir) Nicht-Musizierenden ist das ohrenfällig. Mein Bruder, der als studierter Posaunist gelegentlich auch Waldhorn spielt, konnte mir bestätigen, daß es für diese Hörner-Stimmen echte Könner braucht (& er geht bei seiner Einschätzung freilich vom modernen Ventilhorn aus, welches damals noch nicht exisitierte!). Denkbar, daß just zur Zeit der Komposition virtuose Neuzugänge an Hornisten die gräfliche Kapelle verstärkten.

      Das Allegro im 3/4 hebt mit markentem Unisono an, es folgen hinabstürzende gebrochene Dreiklänge. Energisch drängend, wiederum mit dynamischen Kontrasten schillernd & spannend gehalten, vermittelt sich die freudig vorwärts stürmende Grundstimmung.

      Etwas steif & täppisch kommt das etwas plumpe Hauptthema des Menuetts daher. Hier würde die unwillkürlich aufkommende bildliche Assoziation den Beinamen "L' ours" vollauf rechtfertigen. Das Trio entzückt ein weiteres Mal mit solistischer Hörner-&-Oboen-Tessitura, ein weiteres Mal kommt es dergestalt zu einem delikaten Frage-Antwort-Spiel zwischen Blech & Holz.

      Ganze neunundfünfzig Takte umfaßt das eng gewirkte finale Presto. Fast euphorisch wirbelt es vorüber.

      Besetzung:
      2 Oboen, 2 Hörner, 2 Violinen, Bratsche, Violoncello, Kontrabaß (& Fagott). Ob mit oder ohne Cembalo ist wie gewohnt eine "Glaubensfrage".

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    • Da meine Hanover-Band-Roy-Goodman-CD von Hob I: 1-5 durch das berüchtigte bronzening geschädigt ist, kann ich von Nr. 5 den Kopfsatz noch einigermaßen störungsfrei abspielen, danach wird's dann sehr bald unerfreulich.

      & so steht mir hier vorläufig nur die Aufnahme der tapferen Ruhrpott-Magyaren zur Verfügung:


      Philharmonia Hungarica - Antal Doráti
      (LP, Decca, 1974)

      Adagio ma non troppo 4'55
      Allegro 6'03
      Minuet 3'33
      Finale. Presto 1'35

      a' = 440 Hz

      Wie schon an anderer Stelle muß ich auch hier betonen, daß die Spielzeiten leicht Verwirrung stiften können: im ersten Satz herrscht bei Doráti ein langsameres Grundtempo als bei Goodman. Aus nicht konsequent befolgten Wiederholungen resultiert am Ende jedoch eine kürzere Spieldauer.
      Anders als die Hanover Band zaubern Dorátis Musiker echte Atmosphäre in das einleitende Adagio, nehmen es langsamer, lassen Pausen & Innehalten zu. Das Cembalo kommt mit nicht zu wenig & nicht zu viel klanglicher Präsenz elegant zur Geltung. Der hölzerne Hauptgedanke des Menuetts wird durch die langsam buchstabierende Spielweise quasi karikiert & gewinnt (unerwartet) dadurch. Den Finalsatz läßt Doráti in geradezu furiosem Tempo spielen.
      Der sehnige Ensembleklang & das blitzgescheite, wendige Spiel machen mal wieder großen (Hör-) Spaß!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sfantu ()

    • Sfantu schrieb:

      Da meine Hanover-Band-Roy-Goodman-CD von Hob I: 1-5 durch das berüchtigte bronzening geschädigt ist, kann ich von Nr. 5 den Kopfsatz noch einigermaßen störungsfrei abspielen, danach wird's dann sehr bald unerfreulich.
      Das ist sehr unerfreulich. Da ich diese Aufnahme noch voll funktionsfähig hier liegen habe, werde ich mal reinhören.

      Ich kann Dir mal die Spielzeiten der Goodman-Aufnahme durchgeben:

      01. Adagio 07,11
      02. Allegro 05,43
      03. Minuet 03,48
      04. Finale 01.33

      Ich habe noch Einspielungen von der GA mit Dennis Russell Davies und vor allem Thomas Fey vorliegen.

      Hier die Spielzeiten von Fey :

      01. 08,37
      02. 05,28
      03. 03,18
      04. 01,27


      Sfantu schrieb:

      Anders als die Hanover Band zaubern Dorátis Musiker echte Atmosphäre in das einleitende Adagio, nehmen es langsamer, lassen Pausen & Innehalten zu.
      Dafür scheint Antal Dorati die Wiederholung nicht gespielt zu haben im 1. Satz. Denn rein von den Spielzeiten her ist er 3-3 1/2 Minuten kürzer als die Kollegen Fey und Goodman. Ob Doratis Einspielung aber wirklich den frühen Werken wirklich damit gerecht wurde, weiß ich nicht. Wobei die Spielzeiten nicht so stark abweichen.

      Ach, und Danke für die Vorstellung der Sinfonie !! Sehr schön !!
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Die Zeiten der Einspielung von Adam Fischer im Rahmen der Gesamtaufnahme: 06:53 - 06:26 - 03:22 - 01:48.

      Vielleicht könnten (gemäß der obigen Zeiten also und auch vom Höreindruck her) die schnellen Sätze ein wenig spritziger sein. Die wichtige, ja exponierte Rolle der Hörner wird allenthalben klar.

      Eigenartig, dass ich - hier und in benachbarten Foren ... vielleicht war es auch nur ein enziges ...- recht divergierende Kurzwürdigungen des Minuet gefunden habe - so reicht das Spektrum von "täppisch" (s.o. ;) ) über "volkstümlich" bis hin zu "festlich". Jemand fühlte sich von diesem Satz regelrecht angewidert. Dabei könnte ich mir vorstellen, dass dies mit einem Grundverständnis für Haydn zu tun hat respektive der Einschätzung eines uns heute doch recht fremden Gesellschaftstanzes und seiner Rolle in der Kunstmusik über die Jahrzehnte.

      Meinerseits finde ich den dritten Satz von Adam Fischer markant artikuliert, mit Sforzati auf der Eins, vielleicht nicht schwerfällig, aber gewiss auch nicht sonderlich höfisch. Die Hörner tun das Ihrige dazu - man empfindet das Spiel als vermutlich anstrengend, aber nicht als virtuos im romantischen Sinne.

      Besten Gruß,

      Wolfgang
    • Andréjo schrieb:

      Eigenartig, dass ich - hier und in benachbarten Foren ... vielleicht war es auch nur ein enziges ...- recht divergierende Kurzwürdigungen des Minuet gefunden habe - so reicht das Spektrum von "täppisch" (s.o. ) über "volkstümlich" bis hin zu "festlich". Jemand fühlte sich von diesem Satz regelrecht angewidert. Dabei könnte ich mir vorstellen, dass dies mit einem Grundverständnis für Haydn zu tun hat respektive der Einschätzung eines uns heute doch recht fremden Gesellschaftstanzes und seiner Rolle in der Kunstmusik über die Jahrzehnte.

      Meinerseits finde ich den dritten Satz von Adam Fischer markant artikuliert, mit Sforzati auf der Eins, vielleicht nicht schwerfällig, aber gewiss auch nicht sonderlich höfisch. Die Hörner tun das Ihrige dazu - man empfindet das Spiel als vermutlich anstrengend, aber nicht als virtuos im romantischen Sinne.
      Wolfgang, ich denke mal, dass ein ganz großes Problem grundsätzlich bei der Musik jener Epochen, die uns im Grunde doch irgendwie "fremd" sind, auch musikalisch "fremd" sind. damit will ich sagen, dass man z.B. im Jazz doch immerhin ab 1917 auch heute noch die Musik akustisch hören , und damit vielleicht sich einigermaßen in die Klänge dieser Zeit reinversetzen kann.

      Uns ist doch die Sprech - und Schreibweise, aber auch die Zeit um 1750 doch irgendwie völlig fremd. Es gab kaum ärztliche Hilfe, alles war, gemessen an heute, provinziell und auch völlig diktatorisch ausgerichtet. Die Furcht und der Respekt gegenüber der "Obrigkeit" ist heute doch weitaus geringer, das Gefälle aber stellenweise nicht kleiner geworden. Aber durch das Netz ist alles näher und greifbarer als damals.

      Wir können heute ja nur vermuten, wie es damals geklungen haben KÖNNTE, WISSEN tun wir es letzten Endes nicht. Wir wissen maximal das, was darüber notiert wurde, dazu wissen wir, dass sich ein Teil der Instrumente extrem verändert haben. DIESEN Ansatz muss man wohl als das wirklich Gesicherte annehmen. DORT wurde ja auch bereits lange vor 2020 der Hebel angesetzt. Daher finde ich Aufnahmen wie jene von Fischer schon alleine für den weniger genauen Ansatz, wie etwa es die Kollegen der HIP-Bewegung getan haben.

      Man kann Ähnliches bereits bei Dirigenten wie Dorati, Karajan oder Böhm feststellen, die diese Werke so dirigierten wie Bruckner, Brahms oder Wagner. Ihre Dirigate waren selbst damals schon veraltet, man kannte es halt nicht besser. Allerdings gab es auch Dirigenten, die sich zumindest um andere Ansätze bemüht haben, etwa Toscanini bei Beethoven. Bernstein bei Haydn, Wand, weil er die Partituren einfach als das "Gesetzbuch des Komponisten" ansahen, aber auch, weil er oftmals das richtige Gespür hatte für das ideale Tempo (wenn es das denn überhaupt gibt).

      Adam Fischer hat immerhin erkannt, dass da eine Bewegung war, de man verfolgen und auch für ernst nehmen muss. Man findet sonst so einen Kontrast bei GE nur sehr selten.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Maurice André schrieb:

      Dafür scheint Antal Dorati die Wiederholung nicht gespielt zu haben im 1. Satz. Denn rein von den Spielzeiten her ist er 3-3 1/2 Minuten kürzer als die Kollegen Fey und Goodman.
      Stimmt. Ich müßte wahrscheinlich bei jeder Einzelvorstellung standardmäßig auf seinen etwas sorglosen Umgang mit Wiederholungsvorschriften hinweisen. Habe das nun für die Nr. 5 noch nachträglich ergänzt.

      Apropos Wiederholungsvorschriften: Es wäre noch mal ein interessantes Thema für sich: sind dies Vorschriften oder Vorschläge? Wie kommt es, daß wir es so häufig mit Nichtbeachtung gerade von Wiederholungen zu tun haben? An anderer Stelle bemerkte ich, daß für mein Empfinden das Weglassen der Wiederholungen durch Neville Marriner bei den "Tageszeiten"-Sinfonien beinahe einer Verstümmelung gleichkommt. Als Gegenbeispiel führe ich aber Schuberts große C-dur mit dem Orchestra of the age of enlightenment & Charles Mackerras (Virgin) an, bei der mir gerade im Kopfsatz eben die Beachtung der Wiederholungen die Musik seltsam zerfasert, ihren Fluß hemmt.


      Andréjo schrieb:

      [...] Die Hörner tun das Ihrige dazu - man empfindet das Spiel als vermutlich anstrengend, aber nicht als virtuos im romantischen Sinne.
      Virtuos - zugegeben, im romantischen Sinne, wie Du schreibst - denkt man bei dem Wort zuerst an die zirzensischen Leistungen bei Liszt, Paganini, Wieniawski usw. Ich beziehe in mein Verständnis von Virtuosentum die gesamte Palette der Beherrschung des Instrumentes mit ein - sei es das stupende, schnelle, geläufige Spiel oder eben auch ein extremes Piano, extrem hohe oder tiefe Lagen, beim Klavier Pedalgebrauch, Legati & Anschlagsnuancen...also letztlich alle denkbaren Facetten der Ausführung.
    • Sfantu schrieb:

      Apropos Wiederholungsvorschriften: Es wäre noch mal ein interessantes Thema für sich: sind dies Vorschriften oder Vorschläge? Wie kommt es, daß wir es so häufig mit Nichtbeachtung gerade von Wiederholungen zu tun haben? An anderer Stelle bemerkte ich, daß für mein Empfinden das Weglassen der Wiederholungen durch Neville Marriner bei den "Tageszeiten"-Sinfonien beinahe einer Verstümmelung gleichkommt.
      Ich versuche es mal anders zu beantworten. Die erste, und sicher für jedem am ehesten nachvollziehbare Variante ist, dass es MIT Wiederholung in der Partitur steht. Die zweite Variante ist, dass es keine genauen Angaben gibt, also fast schon "offen für alles" ist, die dritte Variante ist, dass zwar eine Wiederholung notiert ist, aber man da ganze Stück wiederholen soll, was für MICH in 99 % meiner musikalischen Laufbahn die völlig schwachsinnigste Variante war und immer noch ist. Meist wiederholt man mit "Da Capo - Kopf-Kopf - Ende", doch es gibt auch "Da Capo con rep. oder sin rep." also Wiederholung mit/oder ohne Wiederholung.

      Bei den kurzen Sinfonien wird vermutlich jede Wiederholung automatisch ein Ungleichgewicht nach sich ziehen, also weitaus weniger passen, während bei Werken ab ca. 30 Minuten ein Weglassen der Wiederholung trotzdem noch "stimmig" zum Gesamtwerk passen könnte. Etwa so wie bei Schuberts Neunter, wie man hier schon gelesen hat:


      Sfantu schrieb:

      Als Gegenbeispiel führe ich aber Schuberts große C-dur mit dem Orchestra of the age of enlightenment & Charles Mackerras (Virgin) an, bei der mir gerade im Kopfsatz eben die Beachtung der Wiederholungen die Musik seltsam zerfasert, ihren Fluß hemmt.

      Weiter im Text :


      Sfantu schrieb:

      Virtuos - zugegeben, im romantischen Sinne, wie Du schreibst - denkt man bei dem Wort zuerst an die zirzensischen Leistungen bei Liszt, Paganini, Wieniawski usw.
      Genau DAS ist damit auch gemeint. Es heißt nicht ohne Grund der "Hornvirtuose", die "Klaviervirtuosin", etc. Es ist eine nochmalige Steigerung zu dem, was Du nach dem ersten Satz geschrieben hast:


      Sfantu schrieb:

      Ich beziehe in mein Verständnis von Virtuosentum die gesamte Palette der Beherrschung des Instrumentes mit ein - sei es das stupende, schnelle, geläufige Spiel oder eben auch ein extremes Piano, extrem hohe oder tiefe Lagen, beim Klavier Pedalgebrauch, Legati & Anschlagsnuancen...also letztlich alle denkbaren Facetten der Ausführung.
      DAS ist ja eigentlich das Standard-Rüstzeug, was man heute von einem Profi-Musiker ERWARTET, damit er überhaupt in ein Orchester aufgenommen wird. Da reicht es nicht mehr aus, wenn man z.B. seinen Part "richtig" spielen kann, sondern eben extremst richtig und einfach hervorragend. Allerdings immer noch im Gesamtkontext mit dem Orchester, und eben NICHT solistisch gesehen.

      Beuspiel: Bei den Berliner Philharmonikern sitzen im Grunde ausschließllich VIRTUOSEN im Orchester, jeder ein Solist ersten Ranges, selbst der letzte 2.Tutti-Geiger. Doch man muss primär in den Nicht-Solo-Positionen nur wie der Teil eines Orchesters spielen und klingen, während die Solo-Positionen eben nochmal eine Schippe bei ihren Solostellen drauflegen können und auch können müssen. Das wird einfach erwwartet.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)