Sinfonie Nr. 32 C-dur

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    • Sinfonie Nr. 32 C-dur

      C-dur Hob I: 32

      Nr. 15 nach Finscher,
      Nr. 6 nach Walter,
      Nr. 12 bei Csampai & Holland

      Nach Nr. 37 & Nr. 20 wieder eine festlich-prunkvolle C-dur-Sinfonie mit Pauken & Trompeten. & mit ihr neigt sich Haydns Lukawitzer Zeit auch allmählich ihrem Ende entgegen.

      Die Satzüberschriften lauten:
      Allegro molto - Menuet. Trio - Adagio ma non troppo - Finale. Presto

      Das eröffnende Allegro molto in zwei Halben schwingt mit festlichem Fanfarenklang zu freudig-bewegter Grundstimmung hinauf. In g-moll ertönt der Ansatz zu einem zweiten Thema in ängstlich-zweifelnden Tonrepetitionen, die sogleich von einer fallenden Melodielinie "beantwortet" werden. Alles dominierend bleibt jedoch der lebensbejahende Schwung dieses Satzes - Pauken & Trompeten setzen allenthalben entsprechend auftrumpfende Akzente.

      In drei Vierteln & in der Grundtonart gibt sich das Menuett höfisch-zeremoniell. Es steht im forte. Das knappe Trio in c-moll & konstant piano prägt die Solo-Violine mit einem philosophischen Selbstgespräch, dem man gern noch weiter folgen würde. Die wiegend kommentierenden anderen Streicher (die Bläser schweigen in diesem Satz) unterstreichen den bedeutungsvollen Monolog der Geige.

      Im Pianissimo hebt das F-dur-Adagio an - es ist nur für die Streicher gesetzt. Das Hauptthema der Geige ist von schmachtend-verliebten Affekten geprägt. Staccati & Triller der übrigen Streicherinstrumente lassen das Geschehen im höfisch-galanten Umfeld verorten. Zwar empfinde ich den Satz als zentral & prägend für dieses Werk. Aber auch insgesamt weht eine nachbarocke Brise durch die Zweiunddreissigste. Helmut Wirth vermutet eine ursprüngliche Verwendung als langsamen Satz eines Violinkonzertes.

      Zurück in der Tonika hören wir in drei Achteln einen eher konventionellen Kehraus, wie Haydn ihn gern & oft in seinen frühen Gattungsbeiträgen wählt. Ein Klopfmotiv im Tutti & forte wird piano in wechselnden Besetzungen beantwortet. Im Mittelteil sorgen Sequenzen für Erfrischung, gemahnen andererseits wiederum an das ausklingende / ausgeklungene Barock.

      Die Besetzung entspricht wieder der Lukawitzer Acht: zwei Oboen, zwei Hörner, zwei Geigen, Bratsche, Violoncello, (Kontrabaß, Fagott), (Cembalo?), zusätzlich zwei Trompeten & Pauken.

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    • Diese beiden Aufnahmen stehen in meinen Regalen:


      Philharmonia Hungarica - Antal Doráti
      (LP, Decca, 1975)

      Allegro molto 3'32
      Menuet. Trio 3'53
      Adagio ma non troppo 5'33
      Finale. Presto 2'41

      a'= 440 Hz



      Kölner Kammerorchester - Helmut Müller-Brühl
      (CD, Naxos, 1998)

      Allegro molto 5'00
      Menuet. Trio 3'47
      Adagio ma non troppo 4'43
      Finale. Presto 2'33

      a'= 440 Hz

      Angaben zur Besetzung fehlen hier wie dort. Dem Ohr nach sind aber beide Ensembles stärker aufgestellt, zumindest die Streicher klingen mehr chorisch als solistisch.

      Zwischen den beiden Einspielungen herrscht praktisch eine Patt-Situation. Untadeliges Spiel & in beiden Fällen eine in sich stimmige Interpretation. Im Kopfsatz läßt Doráti nicht alle Wiederholungen spielen. Müller-Brühl war einer der Ersten, die historisierende und konventionelle Aufführungspraxis nebeneinander praktizierten mit dem hier aufspielenden Orchester, das sich bei Vollmond in die Capella Clementina verwandelte. Später (so wie hier) übernahmen die Musiker historisierende Aspekte auch in ihr Spiel im Kölner Kammerorchester resp. das Lagerdenken verlor mit den Jahren an Bedeutung. Die Trompeten (oder zumindest eine von ihnen) bei den Kölnern sind bisweilen etwas schneidend - ihre Kollegen von der Hungarica spielen da eine Spur feiner, kultivierter. Im langsamen Satz fehlt mir in der Naxos-Aufnahme das Cembalo - beim, wie beschrieben, nachbarocken Satzcharakter des Adagios finde ich es essentiell dazu gehörend. Wenn dieses Adagio bei Müller-Brühl anhebt, sind wir keineswegs im vorgeschriebenen pp - Doráti beweist hier mehr Feingefühl, auch scheint mir seine langsamere Tempowahl einem Adagio angemessener. Der Kölner Paukist verwendet vermutlich Holzschlägel, der Kollege in Marl eher nicht. Die dadurch entstehende kleine Nuance an weniger klanglichem Biß machen die Magyaren durch Schwung & Musizierlust mehr als wett.

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    • Vielen Dank für die Einstellung und Beschreibung der Sinfonie Nr.32 von Joseph Haydn.

      Ich besitze insgesamt fünf CDs mit Helmut Müller-Brühl und dem Kölner KO, darunter auch die CD mit der hier besprochenen Nr. 32. Sie entstand 1996, also zu einem relativ frühen Zeitpunkt, was die Edition mit Müller-Brühl angeht. Das Orchester basiert vor allem als Sprungbrett für junge Musiker, so dass man inzwischen davon ausgehen kann, dass hier Musiker agieren, die sich bereits mit der "Historischen Aufführungs-Praxis" auskennen.

      Meine erste CD mit Besetzungsangabe stammt von 1997, und lief unter der Rubrik "Das Meisterwerk" bei Naxos, allerdings ohne den Hinweis, auf welchen Instrumenten man gespielt hat. Leider ist es die einzige CD der Sinfonien, die diese Information überhaupt hat. Ich habe gerade mal die anderen CDs durchgeschaut, die ich vom "Das Meisterwerk" von Haydn noch habe (das waren fünf Stück) mit den Konzerten. Dort stehen wieder die Besetzungen dabei. Dabei fällt sofort auf, dass Müller-Brühl keine Einspielung mit der gleichen Besetzung gespielt hat. Selbst der Konzertmeister/Konzertmeisterin haben oft gewechselt. Sogar wurde einmal die eigentliche Konzertmeisterin als Stimmführerin der 2.Geigen eingesetzt. Das ist schon höchst ungewöhlich.

      Möglicherweise hat man hier z.B. bei den Trompeten sogar Natur-Trompeten verwendet, was den schärferen Klang erklären würde. Doch das ist eine Vermutung von mir.

      Müller-Brühl setzt vor allem auf spritig-frischen Klang und Spielen, und der Unterschied , den Du hier beschreibst, ist doch eigentlich logisch: Doratis Musiker spielen OHNE Kenntnisse der HIP-Praxis, die Kölner Kollegen haben diese HIP-Erfahrung bereits, spielen unter einem Dirigenten, der diese kennt und jahrelang selbst praktiziert hat. Dadurch klingen sie einfach rauer als 1973 die Philharmonia Hungaria.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Die Einspielung der Sinfonie Nr. 32 im Rahmen der Gesamtaufnahme mit dem Österreichisch-Ungarischen Haydn-Orchester unter der Leitung von Adam Fischer (1987 - 2001) entstand im Abschlussjahr.

      Fischer weist im Booklet auf die sich verändernde Sicht innerhalb dieser vierzehn Jahre hin, hat sich aus naheliegenden Gründen dagegen entschieden, Werke neu einzuspielen. Natürlich kann man von daher auch gegen den Zyklus argumentieren und der Dirigent stellt eine Entscheidung und Bewertung dem Rezipienten anheim, an sich kein unsympathischer Zug. Vor allem manche Londoner und Pariser Sinfonien mögen im Kontext dieser Integrale recht durchschnittlich geraten sein, für frühere Werke gilt dies im Großen und Ganzen wohl weniger, aber auch hier gibt es deutliche Unterschiede, die gewiss nicht wertungsneutral sind. Mir ist das im Rahmen des vorliegenden Projekts auch längst bewusst geworden.

      Mit der frühen C-Dur-Sinfonie, die Sfantu vor wenigen Tagen dankenswerterweise vorgestellt und Maurice André oben interessant kommentiert hat, bin ich absolut einverstanden und überzeugt, was meine bislang einzige Einspielung anbelangt. Trotz des Verzichts auf historische Instrumente erscheint diese Deutung einem solchen Ideal recht nahe, sie ist aber keineswegs schroff und verzichtet auf allzu markante Schärfe vor allem in der Streicherbesetzung des langsamen Satzes. Pauken und Trompeten kommen hingegen klar zur Geltung und betonen den festlichen Charakter des Werks in noch spätbarocker Tradition. Die Tempi sind aus meiner Sicht zügig, ohne zu eilen oder gar zu hetzen, und im Zusammenhang sehr stimmig.

      Die Zeitangaben der Sätze will ich benennen; sie sprechen im Vergleich mit den bereits angeführten Aufnahmen wohl für sich:

      4:48 - 3:01 - 4:57 - 2:19

      :hello Wolfgang
    • Andréjo schrieb:

      Die Zeitangaben der Sätze will ich benennen; sie sprechen im Vergleich mit den bereits angeführten Aufnahmen wohl für sich:
      Wolfgang, das sehe ich etwas anders. Die Naxos-Einspielung hat relativ ähnliche Spielzeiten, daher würde ich das SO nicht sagen.

      Dennis Russell Davies hatte eine Gesamtspielzeit von 17,12 Minuten bei seiner GE. Das ist noch weniger als Adam Fischer sich Zeit genommen hatte. reingehört habe ich nicht jetzt.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

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    • Andréjo schrieb:

      Insofern hast Du wohl Recht, als ich meinen Höreindruck vielleicht doch nicht an den bloßen Zahlen festmachen kann bzw. sollte.
      Das fällt bei den relativ kurzen Sinfonien nicht so sehr ins Gewicht, es sei denn, es werden Wiederholungen weg gelassen. Es macht am Ende die Auffassung von Dirigent und Orchester aus, was man aus Haydn (oder eben einem beliebigen anderen Komponisten) macht. Fischer dürfte das am Ende richtig gut gemacht haben, leider kann ich es nicht nachhören, weil ich wegen des schwachen ersten Teils seiner GE diese verkaut habe.

      Man kann Haydn nicht a la Karajan spielen, indem man ihn "glättet" und in ein sanftes Klangbild einhüllt. Er hat dadurch JS Bach, Haydn oder Mozart quasi austauschbar gemacht. Alles schön rund, wohlklingend und klanglich perfekt eingeebnet, doch damit wurde er keinem der drei Komponisten wirklich gerecht.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Merci für die Ergänzungen & Anregungen.


      Andréjo schrieb:

      Die Zeitangaben der Sätze will ich benennen; sie sprechen im Vergleich mit den bereits angeführten Aufnahmen wohl für sich:


      4:48 - 3:01 - 4:57 - 2:19

      Maurice André schrieb:

      Dennis Russell Davies hatte eine Gesamtspielzeit von 17,12 Minuten bei seiner GE. Das ist noch weniger als Adam Fischer sich Zeit genommen hatte.
      Ich weiß, das ist hier zwar kein Algebra-Forum, aber, ähhhhmm...