Bach's Inventionen

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    • Original von Jeremias
      Als Pianist muss ich hier auch mal was dazu sagen:

      Also, für mich sind die Inventionen recht uninteressant. Ich würde sie nicht im Konzert spielen. Zum einen könnte ich mich nicht dazu durchringen, sie zu üben, zum anderen glaube ich auch nicht, dass das Publikum diese hören will. Aber sie sind sehr gute Übungsstücke, um die Unabhängigkeit der beiden Hände zu trainieren und um erste Schritte Richtung polyphonem Spiel zu machen!


      Lieber Jeremias,
      als ebenfalls Pianist und Komponist muss ich Dir vehement widersprechen! Was Du schreibst könnte man bezüglich der zweistimmigen Inventionen noch halbwegs verstehen, keineswegs aber mehr, wenn es um die dreistimmigen Sinfonien geht. Un din diesem Thread geht es ja um beides.
      (Inventio 1).

      Die Sinfonia 9 BWV 795 (f moll) etwa ist im dreifachen Kontrapunkt und mit dieser in allen Stimmen extrem chromatisierten Umspielung des Passus Duriusculus Modells eines der kompliziertesten und interessantesten Werke Bachs überhaupt. Natürlich ist das Stück zu klein, um nun gerade ein Repertoirestück für jedes Bach-Konzert zu sein. Es aber als Übungsstück zu bezeichnen wäre ein Ungerechtigkeit. Aber auch die Zweistimmigen Inventionen sind teilweise durchaus auf dem Niveau etwa einzelner Sätze der französischen Suiten, so z.B. die Inventio 14 BWV 785 in Es Dur.
      Als Übungsstücke kann man bei Bach eigentlich allerhöchstens die kleinen Präludien und Fughetten betrachten und die Notenbüchlein. Die Inventionen stehen den Kanons oder Fugen in nichts nach, sie sind ebenso großartige kontrapunktische Werke. Der Grund für ihre Absenz im gängigen Repertoire ist eher der, dass Klavierschüler völlig zu Unrecht ab Anbeginn ihres Lernens mit Bachs Inventionen konfrontiert werden, wozu sie in der Regel niemals die nötige Reife mitbringen. Nicht ohne Grund haben viele Pianisten sich erst relativ spät mit Bach befasst.

      Viele Grüße
      S A T I E
      Was ist ein Mensch? Eine arme Kreatur, die man auf die Erde gesetzt hat, damit sie den anderen auf die Nerven geht. - Erik Satie
    • Original von Jeremias
      Als Pianist muss ich hier auch mal was dazu sagen:

      Also, für mich sind die Inventionen recht uninteressant. Ich würde sie nicht im Konzert spielen. Zum einen könnte ich mich nicht dazu durchringen, sie zu üben, zum anderen glaube ich auch nicht, dass das Publikum diese hören will. Aber sie sind sehr gute Übungsstücke, um die Unabhängigkeit der beiden Hände zu trainieren und um erste Schritte Richtung polyphonem Spiel zu machen!


      Lieber Jeremias,
      als ebenfalls Pianist und Komponist muss ich Dir vehement widersprechen! Was Du schreibst könnte man bezüglich der zweistimmigen Inventionen noch halbwegs verstehen, keineswegs aber mehr, wenn es um die dreistimmigen Sinfonien geht. Un din diesem Thread geht es ja um beides.
      (Inventio 1).

      Die Sinfonia 9 BWV 795 (f moll) etwa ist im dreifachen Kontrapunkt und mit dieser in allen Stimmen extrem chromatisierten Umspielung des Passus Duriusculus Modells eines der kompliziertesten und interessantesten Werke Bachs überhaupt. Natürlich ist das Stück zu klein, um nun gerade ein Repertoirestück für jedes Bach-Konzert zu sein. Es aber als Übungsstück zu bezeichnen wäre ein Ungerechtigkeit. Aber auch die Zweistimmigen Inventionen sind teilweise durchaus auf dem Niveau etwa einzelner Sätze der französischen Suiten, so z.B. die Inventio 14 BWV 785 in Es Dur.
      Als Übungsstücke kann man bei Bach eigentlich allerhöchstens die kleinen Präludien und Fughetten betrachten und die Notenbüchlein. Die Inventionen stehen den Kanons oder Fugen in nichts nach, sie sind ebenso großartige kontrapunktische Werke. Der Grund für ihre Absenz im gängigen Repertoire ist eher der, dass Klavierschüler völlig zu Unrecht ab Anbeginn ihres Lernens mit Bachs Inventionen konfrontiert werden, wozu sie in der Regel niemals die nötige Reife mitbringen. Nicht ohne Grund haben viele Pianisten sich erst relativ spät mit Bach befasst.

      Viele Grüße
      S A T I E
      Was ist ein Mensch? Eine arme Kreatur, die man auf die Erde gesetzt hat, damit sie den anderen auf die Nerven geht. - Erik Satie
    • Original von Jeremias
      Als Pianist muss ich hier auch mal was dazu sagen:

      Also, für mich sind die Inventionen recht uninteressant. Ich würde sie nicht im Konzert spielen. Zum einen könnte ich mich nicht dazu durchringen, sie zu üben, zum anderen glaube ich auch nicht, dass das Publikum diese hören will. Aber sie sind sehr gute Übungsstücke, um die Unabhängigkeit der beiden Hände zu trainieren und um erste Schritte Richtung polyphonem Spiel zu machen!


      Bekannterweise bin ich was Soloklaviereinspielungen betrifft ein echtes Greenhorn...aber ich bin eben auch PUBLIKUM im weiteren Sinne, wenn ich zu Hause Musik höre. Und uninteressant kann ich an den Inventionen nun überhaupt nichts finden. Im Gegenteil. Die Strukturen der Musik sind hochinteressant und das schöne ist, dass sogar ich als Nichtmusiker durchaus das Prinzip nachvollziehen kann. Und wenn man wie Koroliow Achtung vor der Musik hat und nicht sich selbst in den Vordergrund stellt und die Komposition von außen wertend betrachtet, weil man sich für einen verkannten Komponisten hält, wie das manch hochangesehener Pianist zu tun scheint, strahlt diese Musik Eleganz und Erhabenheit aus, hat geradezu eine kontemplative Wirkung. Um die notwendige Exaktheit zu erreichen wird ein Pianist wahrscheinlich wirklich viel üben müssen, das kann ich mir jedenfalls gut vorstellen.

      GROSSARTIGE Musik!!!

      Gruß
      Henning
      Anstatt die besten Wissenschaftler in die Rüstungsindustrie und Raumfahrt zu schicken, hätte die SU sie ins Melodya-Tonstudio schicken sollen - was für eine vertane Chance...............
    • Original von Jeremias
      Als Pianist muss ich hier auch mal was dazu sagen:

      Also, für mich sind die Inventionen recht uninteressant. Ich würde sie nicht im Konzert spielen. Zum einen könnte ich mich nicht dazu durchringen, sie zu üben, zum anderen glaube ich auch nicht, dass das Publikum diese hören will. Aber sie sind sehr gute Übungsstücke, um die Unabhängigkeit der beiden Hände zu trainieren und um erste Schritte Richtung polyphonem Spiel zu machen!


      Bekannterweise bin ich was Soloklaviereinspielungen betrifft ein echtes Greenhorn...aber ich bin eben auch PUBLIKUM im weiteren Sinne, wenn ich zu Hause Musik höre. Und uninteressant kann ich an den Inventionen nun überhaupt nichts finden. Im Gegenteil. Die Strukturen der Musik sind hochinteressant und das schöne ist, dass sogar ich als Nichtmusiker durchaus das Prinzip nachvollziehen kann. Und wenn man wie Koroliow Achtung vor der Musik hat und nicht sich selbst in den Vordergrund stellt und die Komposition von außen wertend betrachtet, weil man sich für einen verkannten Komponisten hält, wie das manch hochangesehener Pianist zu tun scheint, strahlt diese Musik Eleganz und Erhabenheit aus, hat geradezu eine kontemplative Wirkung. Um die notwendige Exaktheit zu erreichen wird ein Pianist wahrscheinlich wirklich viel üben müssen, das kann ich mir jedenfalls gut vorstellen.

      GROSSARTIGE Musik!!!

      Gruß
      Henning
      Anstatt die besten Wissenschaftler in die Rüstungsindustrie und Raumfahrt zu schicken, hätte die SU sie ins Melodya-Tonstudio schicken sollen - was für eine vertane Chance...............
    • Sehr interessant: Janine Jansen hat die Inventionen nun in einer Fassung für Streichtrio eingespielt. Hat jemand von Euch die Aufnahme? Ich habe sie mir angehört und fand die Bearbeitungen recht interessant, leider nur sehr schwach gespielt ?(
    • Sehr interessant: Janine Jansen hat die Inventionen nun in einer Fassung für Streichtrio eingespielt. Hat jemand von Euch die Aufnahme? Ich habe sie mir angehört und fand die Bearbeitungen recht interessant, leider nur sehr schwach gespielt ?(
    • Lieber Guenther,

      Ich habe es gramzerfurcht versucht, aber ich verstehe diesen offenbar ironisch gemeinten Kommentar nicht. :I
      Galt das Instrument zu Bachs Zeiten schon als veraltet? Oder ist Jaccottets Instrument - dass sie es spielt scheint Fakt zu sein- ein Nachbau? Oder ist die Angabe 1642 falsch? Gut, mancherorts ist 1643 zu lesen, aber darauf kann sich das kaum beziehen. Ich stehe echt auf dem Schlauch und bitte um Erläuterung.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Erstmal vielen Dank für die Info.
      Die Jahreszahl 1642 stimmt schon. Fam. Ruckers (Hans/Johannes und Andeas I. und II.) waren Instrumentenbauer in Antwerpen. Also ist das Instrument von Jaccottet sicherlich kein Nachbau. Den Kommentar von Guenther kann ich nur dahingehemnd verstehen, dass die Ruckers mit ihren Instrumenten ihrer Zeit tatsächlich voraus waren, insofern bis in die Bach-Zeit eher Spinett, Virginal oder Chlavicord üblich waren (?).
    • Hallo zusammen,

      ich war mir nicht sicher, ob hier in der Einspielung tatsächlich ein 350 Jahre altes Originalinstrument benutzt wurde oder nicht vielmehr ein Nachbau eines derartigen Cembalos. Oder evtl. ein restauriertes Instrument.

      Falls es wirklich ein Original-Ruckers war, dann finde ich das absolut beachtlich, daß dieses die Jahrhunderte so gut überlebt hat.
      Das nenne ich Handwerkskunst!

      Wenn man Originalinstrumente besitzt, ist es immer eine besondere Frage, ob man sie so beläßt, wie sie sind, oder ob man sie restauriert oder gar an einigen Stellen modernisiert. Herr Dohr (Pianomuseum Bergheim) kauft z.B. gern zwei Instrumente desselben Typs, wobei er eins restauriert und das andere so beläßt.

      Aber das ist eine andere Diskussion.
      :)
      --
      "Seine Arbeit ist genial! Nur hie und da... nur hie und da, so schien es mir..." - "Was meinen Eure Majestät?" - "Rosenberg, wie drückt man das aus?" - "Zu viele Noten, Majestät!" - "Exakt! Glänzend formuliert!"
      (Aus "Amadeus")
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