Gestern im Konzert

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    • Barocknacht Darmstadt-Kranichstein

      Samstag, 4.7.

      Im Jagdschloss Kranichstein fand am Samstag eine Barocknacht statt.

      Und das funktionierte folgendermaßen:

      Als Eröffnungskonzert wurde das 6. Brandenburgische Konzert gespielt, nachdem einige Begrüßungsworte gesprochen waren.
      Anschliessend wurde in 4 verschiedenen Räumen im 3/4 Stundentakt Kammermusik von etwa 30 Minuten Länge dargeboten.

      Die 15 Minuten Pause zwischen den Musiken konnten zum Raumwechsel und zur Aufnahme von Flüssigkeiten genutzt werden. Reichlich Trinken war angeraten, denn es war ungeheuerlich warm.

      Um 23 Uhr gab es als Abschlusskonzert eine Venzianische Vesper, die bis Mitternacht dauerte.

      Alles in Allem rund 4 Stunden Musik.

      Die Ausführenden waren Dozenten, Studierende und Gäste des „Instituts für Historische Interpretationspraxis" an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/M.

      Wie nicht anders zu erwarten, gab es viel Gelungenes und manch Blasses.

      Mein persönliches Highlight des Abends war Vivaldis Triosonate a–moll RV 86 für Altblockflöte, Fagott & Basso continuo
      Den Part des Basso continuo übernahm eine Theorbe, weswegen ich mich überhaupt für diese Vorstellung entschieden hatte. Interessanter weise war ich von diesem Instrument (oder seinem Spieler) eher enttäuscht. Ich brauchte einige Zeit, bis ich mich an die schnarrende Spielweise gewöhnt hatte.
      Positiv überrascht, ja sogar hellauf begeistert war ich von der Fagottistin (Mariana Parás), die mit ihrem treibenden Bass eine Bühnenpräsenz wie ein Rockmusiker entwickelte.
      Ein spontaner Zwischenapplaus nach dem 2.Satz war die verdiente Konsequenz.

      Ansonsten war das Publikum eher zurückhaltend brav, sicherlich auch den Temperaturen geschuldet.

      Insgesamt ein schöner, gelungener Abend, wenn auch schweißtreibend.

      Grüße
      Jürgen

      P.S: Hier das detaillierte Programmheft als pdf
    • Original von AcomA
      Lieber Nikolaus,

      ich habe eine Einspielung der Franck-Sonate sowie der Debussy-Sonate mit Maisky und Argerich von EMI aus 1983, also vor 32 Jahren !

      LG, Siamak


      Es wäre sicher interessant, das mit heute zu vergleichen.

      Und das war noch nicht einmal der Anfang ihrer "Zusammenarbeit".
      Wenn ich es richtig mitbekommen habe, touren sie nächstes Jahr anlässlich ihrer 45jährigen musikalischen Partnerschaft!

      Gruß, Nikolaus :hello
    • Italienische Opernnacht, Mathildenhöhe Darmstadt, 2.August 2015



      Untertitel: Fürst Metternich diniert mit Rossini

      Es war ein Open-Air Event und fand auf dem Platz vor dem Ausstellungsgebäude der Künstlerkolonie (das Haus mit dem roten Dach) statt.


      • Sopran - Tatjana Charaglina
      • Sopran - Manami Okazaki
      • Mezzosopran - Ester Pavlu
      • Tenor - Oscar de la Torre
      • Bariton - Chul-Ho Jang
      • Bass - David Pichlmaier

      • Konzertchor Darmstadt & Darmstädter Hofkapelle, Wolfgang Seeliger


      Zum Programm. Vor der Pause gab es nur Rossini.
      Die zweite Hälfte teilten sich Bellini und Donizetti.

      Es begann mit der Ouvertüre zu Semiramide, ein Stück, das brillant vorgetragen ein kurzweiliges Schaustückchen sein kann.
      Hier jedoch erschien es mir unzusammenhängend und ohne Witz.

      "Bei raggio lusinghier", eine Arie der Semiramide wurde von Manami Okazaki vorgetragen. Die Arie hat einige schöne Gesangslinien, die aber unter dem etwas zu schwach dimensionierten Sopran litten.
      Na das fing ja gut an, mein Stuhl wurde mir schon jetzt langsam unbequem.

      Manami Okazaki hatte im weiteren Verlauf des Abends noch ein paar Auftritte im Ensemble, die ihr besser gelangen.

      Die darauf folgende Kavatine des Figaro "Largo al factotum" aus "Il Barbiere di Siviglia" wurde von dem südkoreanischen Bariton Chul-Ho Jang gesungen. Das hat richtig Spass gemacht. Nicht nur weil es ein bekannter Gassenhauer ist, sondern weil hier die stimmlichen Mittel ausreichend waren und der Sänger mit dem Publikum kokettierte.

      Ich will auf den Rest des Programms gar nicht mehr eingehen. Ich könnte zwar aus dem Programmheft abschreiben, habe aber nicht mehr genau im Gedächtnis, welcher Sänger genau was gesungen hat.
      Dennoch möchte ich High- und Lowlight benennen, denn die waren deutlich.
      Die Stars des Abends waren m.E. der schon erwähnte Chul-Ho Jang und die tschechische Mezzosopranistin Ester Pavlu. Sie ist sowohl stimmlich als auch körperlich gewaltig. Bestimmt 1.90m groß und nicht mager und dann dieses Organ, das sich von diesem Orchester nicht zudecken ließ, aber auch leiser konnte. Jederzeit angenehm.
      Leider gab es auch eine derbe Enttäuschung, nämlich den Tenor. Beim Mexikaner Oscar de la Torre hatte ich den Eindruck seine Mittellage habe einen rauen Belag (Erkältung?). Die Spitzentöne, die ihm Rossini und Co. zwei- dreimal abverlangten, gerieten dann bestenfalls markiert.

      Es gab noch zwei Zugaben von Verdi. Den Gefangenenchor aus Nabucco, der ja als Gegenpol zu Metternich gesehen werden kann und - um allen Solisten noch mal eine Bühne zu bieten - Brindisi aus La Traviata. Das sind natürlich Publikumslieblinge, und was sollte man nach Brindisi noch spielen?

      Mein Fazit: Ein schöner, unterhaltsamer Abend, bei dem sogar das Wetter mitspielte und rasch angenehm abkühlte. Die Stühle waren in der Tat unbequem, aber bei sich steigerndem Programm gut auszuhalten.

      Grüße
      Jürgen
    • Nicht gestern, aber letzte Woche in Paris, Philharmonie de Paris:

      Anlässlich des 80. Geburtstages von Arvo Pärt:

      Orchestre de Paris unter Paavo Järvi
      Choeur de l'Orchestre de Paris unter Lionel Sow
      Viktoria Mullova, Violine
      Romain Descharmes, Klavier

      Arvo Pärt:

      Summa
      Passacaglia (Viktoria Mullova)
      Da Pacem Domine
      La Sindone
      Credo für Klavier, Chor und Orchester
      Silhouette
      Symphonie Nr. 3
      Cantus in Memoriam Benjamin Britten

      Vorab: Für mich war es eine Premiere in der neu erbauten, im Januar eröffneten Philharmonie de Paris.
      Äusserlich alles andere als einladend ist dieser Neubau innen sehr schön und vor allem: eine wirklich grandiose Akustik!!

      Und ich glaube: gerade durch diese tolle Akustik war es ein denkwürdiger Abend:
      Das Orchester unter Paavo Järvi herausragend, der Chor fantastisch.
      Bei Credo standen mir tatsächlich die Tränen in den Augen.

      Arvo Pärt war anwesend, natürlich standing ovations für den bescheiden auftretenden Komponisten.

      Kurz: ich bin dankbar, dabei gewesen zu sein!

      Nikolaus.
    • Am Samstag in Wien:

      In des Projektes RESOUND BEETHOVEN - Originalklang am Originalschauplatz - (bereits im entsprechenden Beethoven-Faden erwähnt) spielte das

      Orchester Wiener Akademie auf natürlich historischen Instrumenten unter Martin Haselböck

      die Symphonie Nr. 9 d-moll op. 125

      mit dem Chorus sine nomine

      und den Solisten Laura Aikin, Michaela Selinger, Steve Davislim, José Antonio López

      am Originalschauplatz der zweiten Aufführung, dem Großen Redoutensaal in der Wiener Hofburg.

      Ganz original ist der Saal natürlich nicht mehr, insbesondere eine Galerie, auf der sich damals auch Publikum befand, gibt es nicht mehr, und das Parkett ist heute mit einem Teppich abgedeckt.
      Die Ausmaße des großen Saals sind aber gleich. Die für dieses Konzert aufgebaute Bühne hat - so versicherte in der Einführung Prof. Dr. Stefan Weinzierl (Autor des Buches "Beethovens Konzertsäle") - dieselben Dimensionen wie damals.
      Auf eine gleiche Besetzungsstärke von Orchester und Chor einschliesslich dessen Positionierung vor dem Orchester wurde ebenso geachtet.
      Berücksichtigt man die baulichen Unterschiede im Vergleich zum damals erheblich größeren Publikum (bei zusätzlicher Galerie und vorwiegend stehend) ergibt sich - so Weinzierl - eine ähnliche Akustik.
      Und die war zwar sehr hallig, aber trotzdem sehr klar und "konturiert" und in dieser packenden Interpretation mit prominenten Schlagwerk und Bläsern ungemein effektvoll bis dramatisch.
      Auch die Balance mit dem hervorragenden Chor und den ebenso guten Solisten ließ nichts zu wünschen übrig.

      Manche mögen diesem Projekt skeptisch gegenüber stehen und es vielleicht für übertrieben/verspielt halten, aber das live-Erlebnis ist einfach großartig und macht ungeheuer viel Spaß.
      (die Wiener Atmosphäre mit Pferdegetrappel der Fiaker etc. tut natürlich ein übriges...).

      Nikolaus.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von nikolaus ()

    • Original von Hosenrolle1
      Das klingt ja toll! War sicher eine schöne Sache :)

      Das Einzige, was bei dieser Liebe fürs Detail noch gefehlt hätte, wären Darmsaiten gewesen - ich nehme mal an, man hat auf modernen Stahlsaiten gespielt?




      LG,
      Hosenrolle1


      Wenn man das hier liest, scheinen sie durchaus auch bei den Saiten auf alles zu achten. Ich meine, dass echte "Spezis" auf jeden Fall Darmsaiten benutzen.
      Was ist ein Mensch? Eine arme Kreatur, die man auf die Erde gesetzt hat, damit sie den anderen auf die Nerven geht. - Erik Satie
    • HIP-Ensembles spielen doch meines Wissens auch bei Wiener Klassik bzw. (Früh-)Romantik generell auf Darmsaiten - Stahlsaiten wären doch genauso unHIP wie Steinway-Flügel für damalige Klaviersonaten!

      Abgesehen davon stellt sich mir auch die Frage, ob eine Stahlbespannung historische Instrumente (bzw. deren Nachbauten) nicht ohnehin zu sehr belasten würde - auch der Korpus dieser Instrumente war ja für Darmbespannung ausgelegt.
      zwischen weißem rauschen und nichtton

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von EinTon ()

    • Interessant, ich habe gelesen, dass es offenbar so ist, dass auch Darmsaiten mit Metall umsponnen werden. Auch gibt es wohl mittlerweile Kunststoffsaiten, die ähnliche Eigenschaften haben.
      Bei Wikipedia fand ich:
      Bezüglich der Besaitung von Streichinstrumenten schreibt Michael Praetorius 1619 in seinem Syntagma musicum II:[1]

      „Deroselben Baß- Tenor- und Discantgeig (welche Violino, oder Violetta picciola, auch Rebecchino genennet wird) seynd mit 4 Säiten […] bezogen und werden alle durch Quinten gestimmet. Und demnach dieselbige jedermänniglichen bekandt / ist darvon (ausser diesem / daß wenn sie mit Messings- und Stälenen Säiten bezogen werden / ein stillen und fast lieblichen Resonantz mehr / als die andern / von sich geben) […] zu schreiben unnötig.“


      Also muss es parallel beides gegeben haben, denn ich habe Anbieter gefunden, die traditionelle Darmsaiten (nicht umsponnen) herstellen. Da wird die Frage, welche die richtigen sind ja noch schwieriger...

      Sehr interessant ist diese Seite:
      pure-corde-shop.com/Anforderungen-Eigenschaften

      Und dann aber genug off topic...
      Was ist ein Mensch? Eine arme Kreatur, die man auf die Erde gesetzt hat, damit sie den anderen auf die Nerven geht. - Erik Satie
    • Sorry, ich wollte doch noch etwas zu diesem Thema sagen (vielleicht kannst Du die Diskussion ja in einen neuen Thread auslagern).

      Das Zitat hier:

      ausser diesem / daß wenn sie mit Messings- und Stälenen Säiten bezogen werden


      ...scheint mir doch sogar eher auf reine Stahl- oder Messingsaiten hinzudeuten, nicht auf stahlumsponnene Darmsaiten.

      Stahlumsponnene Darmsaiten sind mir desungeachtet bekannt, denn die hatte ich früher zeitweise auf meinem (übrigens modernen, nicht "HIPpen") Cello. Mein Cellolehrer riet mir dann aber doch zu reinen Stahlsaiten, da diese leichter ansprechen würden, und daraufhin habe ich die Bespannung wieder gewechselt.

      Gruß,

      Normann
      zwischen weißem rauschen und nichtton

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    • Also, nach Stunden Recherche habe ich jetzt einigermaßen die Antwort zu den vermaledeiten Saiten:
      In der Renaissance gab es für Streich- und Zupfinstrumente primär einfache Darmsaiten, bei einigen, wie dem Cembalo oder Psalter, allerdings auch solche aus Metall (nicht umsponnen). Ebensolche fanden auch Einsatz als Aliquotsaiten (Resonanzsaiten). Solche muss Praetorius hier offenbar meinen, denn Violen bespannte man niemals mit Metallsaiten (als Griffsaiten).
      Umsponnene Saiten gibt es wohl erst seit 1659 (leider weiß ich nicht auf welche Quelle sich das bezieht). Die wurden zunächst nur für die tiefsten Saiten benutzt.
      Was ist ein Mensch? Eine arme Kreatur, die man auf die Erde gesetzt hat, damit sie den anderen auf die Nerven geht. - Erik Satie
    • EinTons Idee, die Diskussion über die Darmsaiten (und evtl. andere historische Instrumente) auszulagern finde ich gut.


      In Berlioz´ Instrumentationslehre aus den 1840ern habe ich zwei Stellen gefunden, die vermutlich nicht wirklich sachdienlich, aber m.E. trotzdem interessant sind.

      Zur Gitarre heißt es:

      Die drei tiefen Saiten sind von Seide, mit. Silberdraht übersponnen, die drei anderen sind Darmsaiten.



      Zur Mandoline:

      Die beiden E sind Darmsaiten, die A sind aus Stahl, die D aus Messing, die G endlich aus Darm mit Sil- berdraht übersponnen.





      LG,
      Hosenrolle1

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hosenrolle1 ()

    • Original von Satie
      Also, nach Stunden Recherche habe ich jetzt einigermaßen die Antwort zu den vermaledeiten Saiten:


      Hui, da hast Du Dir ja eine Mühe gemacht!

      Sehr vielen Dank Dir für die ausführliche Information!

      denn Violen bespannte man niemals mit Metallsaiten (als Griffsaiten).


      Mein Vater hat auf seinen 3 Gamben - soweit ich weiss - überall nur nicht-umsponnene Darmsaiten aufgezogen. Etwas anderes ist wohl auch heute bei Gamben nicht üblich.
      zwischen weißem rauschen und nichtton

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    • Letzten Mittwoch beim Beethovenfest Bonn:

      Nicolas Altstaedt (Cello) und Alexander Lonquich (Klavier) spielten im Kammermusiksaal des Beethovenhauses ein - wie ich finde - schönes Programm:

      L.v.Beethoven: Sonate für Violincello und Klavier Nr. 1 F-Dur op. 5/1
      N.Boulanger: Trois Pièces für Violincello und Klavier (1914)
      L.v.Beethoven: Sonate für Violincello und Klavier Nr. 2 g-moll op. 5/2

      G.Fauré: Sonate für Violincello und Klavier Nr. 2 g-moll op. 117
      L.v.Beethoven: Sonate für Violincello und Klavier Nr. 3 A-Dur op. 69

      Besonders hervorheben möchte ich den kleinsten Teil des Programms: die drei Stücke von Nadia Boulanger, drei wundervolle Miniaturen, in denen auf kleinstem Raum so viel passiert - toll!
      Bei den Beethoven-Sonaten hätte ich mir in den schnelleren Sätzen etwas mehr "Esprit" gewünscht, sonst waren sie aber spannend interpretiert. Insbesondere Nicolas Altstaedt - ein im positiven Sinne sehr "lässiger" Cellist, konnte mich mit seinem differenzierten Spiel sehr überzeugen.
      Selbst Fauré, dessen Sonaten ich sonst nicht so gerne mag, hat mir gut gefallen.

      Kleine Einschränkung des insgesamt gelungenen Abends: Gewöhnungsbedürftig war von meinem Platz aus (ganz am Rand des halbrunden Saals und damit fast im Rücken des Cellisten) die akustische Balance, der Flügel erschien mir bisweilen unangenehm im Vordergrund.

      Nikolaus.
    • Ich habe Nicolas Altstaedt mal in der Kölner Philharmonie gehört (war glaube ich Ende letzten Jahres); damals spielte er beide Cellokonzerte von Joseph Haydn. Im Rahmen dieses Konzerts habe ich eine von Nicolas Altstaedt mit diesen Cellokonzerten drauf erworben - und natürlich auch signieren lassen.

      Vom Cellospiel war ich echt begeistert. Ich höre diese CD immer noch oft.
    • Und heute Abend das Abschlusskonzert des Beethovenfest Bonn in der Beethovenhalle:

      Das diesjährige Festival stand unter dem Motto "Veränderungen".

      Und Variationen waren auch der rote Faden im Abschlusskonzert:

      M.Kagel: Variationen ohne Fuge über "Variationen und Fuge" über ein Thema von Händel für Klavier op. 24 von Johannes Brahms für grosses Orchester und zwei Darsteller ad.lib.

      E.W.Korngold: Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35

      L.v.Beethoven: Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 55

      Es spielten die Bamberger Symphoniker unter Jura Valcuha.
      Darsteller: Konrad Beikircher (Brahms) und Andreas Etienne (Händel)
      Solistin: Arabella Steinbacher (Violine)

      Kagels Variationen über Variationen entbehren nicht eines gewissen Humors, wenn erst am Ende das eigentliche händelsche Thema (tatsächlich mit Cembalo) vorgestellt wird; und so waren sie trotz der wohl für die meisten im Publikum ungewohnten Klangsprache ein durchaus launiger Einstieg. Dazu trugen auch die Darsteller bei; dazu muss man wissen, dass Konrad Beikircher hier im Rheinland ein sehr bekannter Kabarettist und zudem sehr musikalisch und Musik-affin ist. Er trug Brahms Gedanken, die Kagel wohl aus Briefen zusammengestellt hat, mit dezentem Hamburger Dialekt vor und liess einen so dem Anlass entsprechend schmunzeln: Andreas Etienne, ebenfalls bekannter Kabarettist, in der stummen Rolle des Händel unterstütze alleine durch Körperhaltung und Gestik in historischem Kostüm.

      Arabella Steinacher überzeugte mich dann mit Korngolds Violinkonzert, das nicht unbedingt zu meinen Lieblingskonzerten gehört, vor allem mit traumhaft schönem Legato-Spiel.
      Unterstützt wurde sie dabei von den hervorragenden Bamberger Symphonikern. Es war meine erste Begegnung mit diesem Orchester und dem zukünftigen Chefdirigenten Jura Valcuha (ab 2016 als Nachfolger von Jonathan Nott). Die Zusammenarbeit zwischen Orchester und Dirigent wirkt jetzt schon sehr harmonisch, was sich in einem sehr organischen, weichen Klang ausdrückt.
      Das fiel mir vor allem in der 3. Symphonie von Beethoven auf; wie dort die einzelnen Stimmen und Instrumentengruppen z.T. übergangslos in den Vordergrund gerückt wurden, das war toll.
      Zur vollständigen Begeisterung fehlte mir nur ein gewisser drive, den ich als Anhänger von Paavo Järvi und der Kammerphilharmonie Bremen so schätze, aber das ist sicher Geschmackssache.

      Nikolaus.
    • Original von abendroth
      Laut website der Bamberger und auch laut anderen Quellen ist Jakub Hrusa der designierte künftige Chefdirigent, und nicht, wie oben behauptet Jura Valcuha.


      Entschuldigung, Du hast vollkommen recht, ich habe mich im Programmheft verlesen.

      Das ändert aber nichts an dem Eindruck, den ich von der Zusammenarbeit zwischen Orchester und Dirigenten hatte...

      Nikolaus.