Haydns Sinfonien

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    • Haydns Sinfonien

      Haydns 104 Sinfonien

      … könnte man natürlich auch einzeln besprechen, aber erstens schaffen wir das eh nicht :D , und zweitens geht es mir vor allem um Eure Highlights. – Bei mir haben sich inzwischen einige Einzel-CDs angesammelt. Ich habe es mit diesen Dirigenten versucht: Dorati, Harnoncourt, Koopman, Kuijken, Jacobs, Furtwängler. Der wirklich zündende Funke war noch nicht dabei, ich höre die Sinfonien nach wie vor sehr selten. Zuletzt kam noch eine Aufnahme unter Thomas Fey dazu (der wohl auch eine Gesamteinspielung plant - sei ihm ein langes Leben gegönnt!), die ich jedoch wieder verkaufte, weil mir die Heidelberger Sinfoniker zu ruppig daherkamen.

      Sollte man vielleicht doch lieber zu der Gesamtaufnahme unter Adam Fischer greifen?

      Welches sind Eure Favoriten unter den Sinfonien? Und in welchen Aufnahmen?

      Danke und Gruß,
      Cosima
    • Original von Cosima
      Sollte man vielleicht doch lieber zu der Gesamtaufnahme unter Adam Fischer greifen?

      Welches sind Eure Favoriten unter den Sinfonien? Und in welchen Aufnahmen?

      Hallo Cosima,

      wenn es um Haydns Sinfonien geht, denkt man sicher zuerst an die zwölf "Londoner" Sinfonien (Nr. 93-104), die sechs "Pariser" Sinfonien (Nr. 82-87), die Oxford-Sinfonie (Nr. 92) und vielleicht noch an ein paar Namens-Sinfonien, z. B. die "Abschieds-Sinfonie" (Nr. 45), die wegen ihres originellen Schlusses recht bekannt ist.

      Von den "Londoner" und "Pariser" Sinfonien gibt es etliche Aufnahmen, während es bei den übrigen Sinfonien dann schon recht dünn wird. Die Fischer-Gesamtaufnahme bietet eine preiswerte Gelgenheit, sich einmal abseits der bekannteren Werke auf Entdeckungsreise zu begeben, und ich kann nur sagen: Es ist sehr spannend und lohnt sich unbedingt! Was mich bei dieser Aufnahme etwas irritiert, ist der uneinheitliche Interpretationsansatz. Fischer beschreibt im Booklet, daß sich während des doch recht langen Aufnahmezeitraums die Ansichten darüber geändert hatten, wie Haydn zu spielen sei, und dann diskutiert wurde, ob man den ursprünglichen Ansatz beibehalten solle. Letztlich entschloß man sich dann, dies nicht zu tun.

      Die Dorati-Aufname (mit der Philharmonia Hungarica) war eine echte Pioniertat - die erste Gesamtaufnahme überhaupt. Sie wurde, wenn ich mich richtig erinnere, 1982 zum 250. Geburtstag Haydns veröffentlicht. Aus heutiger Sicht erscheint mir Doratis Interpretation etwas zu romantisierend, aber in sich geschlossener als bei Fischer.

      Daneben gibt es noch eine Gesamtaufnahme auf historischen Instrumenten mit der Academy of Ancient Music und Christopher Hogwood - ebenfalls eine Pioniertat.

      Meine persönlichen Favoriten sind:



      Eine Aufnahme der "Londoner" Sinfonien aus den frühen 70er Jahren mit dem London Philharmonic Orchestra/Eugen Jochum.



      "Sturm und Drang"-Sinfonien auf historischen Instrumenten mit The English Concert/Trevor Pinnock. Auch heute noch finde ich diese Interpretation spannend und aufregend - vom gutmütig-humorvollen "Papa Haydn" ist da nichts zu spüren.

      Sehr gelungen finde ich auch die Aufnahmen mit dem Kölner Kammerorchester/Helmut Müller-Brühl, die bei Naxos erschienen sind - eine gute Alternative zu Pinnock oder Hogwood, wenn man historische Instrumente nicht mag. Die folgende CD bietet beispielsweise eine sehr interessante Zusammenstellung von drei Moll-Sinfonien:



      Ich bin schon sehr gespannt, was sich bei den Labels zum Haydn-Jahr 2009 tun wird - vielleicht gibt es noch die eine oder andere Wiederveröffentlichung oder Neuaufnahme.

      Viele Grüße,
      Manfred
    • Nachdem ich mich ein wenig von meinem leichten Schock heute morgen erholt habe, als ich einen Faden zu Haydns 104 Symphonien entdeckte, möchte mich dann doch ein wenig ausführlicher äußern.

      Von den 104 Symphonien besitze ich gerade 54. Ich habe eigentlich keine Ambitionen auf eine Gesamtausgabe, in letzter Zeit habe ich sehr wenig Haydn gehört, wenn, dann eher Kammermusik und Vokales. Die Gesamtausgaben von Dorati und Fischer wirken auf mich wenig attraktiv, weil ich sie für ein wenig bezopft halte. Sie werden dem oft fast anarchischen Geist Haydns kaum gerecht.

      Von den Tageszeiten-Symphonien Nos. 6-8 besitze ich eine sehr zufriedenstellende Ausgabe mit dem Freiburger Barockorchester (HM), eine ebenfalls ausgezeichnete Version existiert von Pinnock. Die sogenannten "Sturm und Drang"-Symphonien habe ich mit dem English Concert unter Pinnock, die Pariser Symphonien mit Dorati (Decca) und Kuijken (Virgin), letztere höre ich entschieden lieber. Bei den Londoner Symphonien kann ich nur Brüggen (Philips) auf historischen Instrumenten wirklich empfehlen. Brüggen erfaßt meiner Meinung nach mehr vom Spielwitz Haydns als jeder andere Dirigent. Gut in den späten Symphonien sind auch Colin Davis (Philips), Charles Mackerras (Telarc), Harnoncourt (Teldec/Warner) und Böhm (DG) (letzterer außerhalb der Londoner Symphonien).

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Zelenka ()

    • Liebe Cosima, lieber Zelenka, liber Manfred

      auch ich möchte mich zu Haydns Sinfonien äußern.

      Die beiden genannten Gesamtaufnahmen von Dorati und Adam Fischer sind nicht die einzigsten, wenn auch vielleicht in Augenblick die bekanntesten. Bereits um 1960 begann Max Gobermann mit dem Orchester der Wiener Staatsoper eine Gesamtaufnahme für die amerikanische Columbia /CBS, die jedoch in Deutschland nicht vertrieben wurde. In meiner Sammlung befinden sich die Sinfonien Nr.1-8 auf 3 LPs. Ob die Gesamtaufnahme fertiggestellt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.
      Nach Dorati entstanden noch zwei Produktionen mit Derek Solomons und dem Orchester L'Estro Armonico für CBS sowie mit Hogwood und seiner Academy of Ancient Music für Decca.

      Wer sich zum ersten Mal mit Haydn-Sinfonien beschäftigt, sollte evtl. mit einer der Pariser Sinfonien Nr.82-87 oder Londoner Sinfonie Nr.93-104 beginnen. Für den Anfang empfehle ich auch Nr.88, die erste aus der Gesamtreihe, die von den Plattenfirmen immer wieder "gepflegt" wird (siehe meine Homepage), oder die Nrummer Nr.92, für mich die beste Haydn-Sinfonie. Hinweisen möchte ich auch auf die Tageszeiten-Sinfonien Nr.6-8, Nr.31 D-dur "mit dem Hornsignal" oder Nr.39 g-moll. Hier bietet sich ein Vergleich mit Mozarts erster g-moll-Sinfonie KV 183 an.

      Hier noch Hinweise auf sehr gute Haydn-Interpreten, Einiges wurde schon von Euch erwähnt:

      Colin Davis, Concertgebouw Orchester, Philips
      Brüggen, Orchester des 18.Jahrhunderts, Philips
      S. Kuijken, Le petite bande und Orchestra of the Age of Enlightenment, DHM und Virgin
      Beecham, Royal Philharmonic Orchestra, EMI, charmant im Geiste Haydns gespielt
      Szell, Cleveland Orchester, CBS/Sony Nr.91, 93-99
      Abbado,Chsamber Orchestra of Europe, DGG
      KLemperer, Philharmonia Orchestra, EMI
      Fritz Reiner, Nr.88, 95 und 101, RCA
      Fricsay Nr. 44, 100, 101, RIAS SO, DGG
      Rosbaud, Berliner Philharmoniker Nr.92 und 104, DGG
      Thomas Fey, Heidelberger Symphoniker und Schlierbacher Kammerorch. hänssler
      H. Wolff, Sinfonie Orchester des Hess.Rundfunk, hr-music Nr.88-92, 96, 97
      R. Jacobs, Freiburger Barockorchester Nr.91-92, HMF

      Grüße Amadé

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Amadé ()

    • @Cosima,

      ich besitze aus "diskographischen Gründen" die Aufnahme, die bereits Manfred genannt hatte:



      Die eine oder andere Sinfonie habe ich auich gehört. Einen großen Drang, der mich zu einer intensiven Beschäftigung hätte bewegen können habe ich dabei nicht empfunden.

      Allerdings schrecke ich auch bei der Zahl "104" auf! Eine intensive Beschäftigung ist da sicherlich schwer, aich wenn man sich auf die Highlights konzentriert!
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Guten Abend!

      Ich lese gerade ein ausfühliches Buch über Joseph Haydn und das Verlangen seine Symphonien von vorn bis hinten auseinander zu nehmen wächst täglich!
      Seine Pariser Symphonien 82-87 kenne ich jetzt sehr Gut und sie sind alle vortrefflich, auch die Londoner und noch ein paar einzelne! Auch ich habe mich oft vor der Zahl 104 Symphonien irgentwie in die Ecke gedrängt gefühlt und mich vor diesem Stapel an Symphonien gefürchtet, dass Sie mich irgentwann erschlagen! Je mehr Symphonien ich aber ans Licht hole, desto befreiter wird man! Es sind wunderschöne Symphonien! Leider habe ich noch keine GA, aber ich habe gemerkt, dass wenn man sich mit Haydn mehr beschäftigt, dann werden seine Symphonien zum Herzensanliegen für denjenigen! Für jemanden, dem die Symphonische Musik liebt, bei dem sollte keine GA fehlen! Keiner brauch sich vor den 104 Symphonien zu fürchten! Ich entdecke immer mehr schönes! Ja, Haydn war einer der Großen Meister! Jemand, dem der Symphonische Berich nicht sehr interessiert sollte zumindest die Pariser und Londoner Symphonien kennen! Das wäre dann wie bei Mozart, die wichtigsten, die letzten 6 sollte jeder kennen, die Restlichen 35 sind für Liebhaber! Die Zeit der Klassik ist meine Zeit und die Großen Meister dieser Zeit sind halt Mozart und Haydn! deswegen werde ich Haydn genaußtens studieren!

      Habe auch ausführlich über die Freundschaft von Haydn zu Mozart gelesen und bin wirklich gerührt! Für jemanden wie mich, für den Mozart das "wahre" in der musik ist, kommt an haydn nicht vorbei! Haydn war neben dem Musiker auch ein großartiger Mensch!

      Ich werde mir auch demnächst die GA unter Antal Dorati zulegen, auf CD!

      Gruß
      Daniel :hello
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von daniel5993 ()

    • Schönen Dank schon mal für die vielen Hinweise und Meinungen. Ich muss das erst einmal alles sortieren. Frans Brüggen habe ich mir schon zum Reinhören notiert.
      Am einfachsten wird es sein, ich sammele alle genannten Vorschläge und bilde dann die Schnittmenge. :beer

      Gruß, Cosima

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Cosima ()

    • Original von Cosima
      Schönen Dank schon mal für die vielen Hinweise und Meinungen. Ich muss das erst einmal alles sortieren. Frans Brüggen habe ich mir schon zum Reinhören notiert.

      Hallo Cosima,

      Brüggen steht schon seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste - jetzt habe ich diesen Thread zum Anlaß genommen, endlich mal die "Londoner" zu bestellen.

      Am einfachsten wird es sein, ich sammele alle genannten Vorschläge und bilde dann die Schnittmenge. :beer

      Zur Schnittmenge gehören auf jeden Fall noch die "Londoner" mit Jochum und die "Sturm und Drang"-Sinfonien mit Pinnock, da mehrmals genannt :D

      Viele Grüße,
      Manfred
    • Original von daniel5993
      Auch ich habe mich oft vor der Zahl 104 Symphonien irgentwie in die Ecke gedrängt gefühlt und mich vor diesem Stapel an Symphonien gefürchtet, dass Sie mich irgentwann erschlagen!

      Man muß ja nicht alle hintereinander hören. Wenn Du Dir pro Woche zwei Sinfonien vornimmst, hast Du nach einem Jahr alle gehört - das wäre ein guter Zeitrahmen. Nur nicht zuviel auf einmal hören, das verträgt Haydns Musik nach meiner Erfahrung nicht gut. Man bekommt dabei den - völlig falschen! - Eindruck, daß sich alles irgendwie gleich anhört, weil man den Blick für die Details verliert.

      Ja, Haydn war einer der Großen Meister!

      Nicht nur das - er hatte auch menschliche Größe. Die Fähigkeiten eines jüngeren Kollegen (Mozart) neidlos anzuerkennen und sogar über die eigenen zu stellen - das hat mir immer sehr an Haydn imponiert.

      Ich werde mir auch demnächst die GA unter Antal Dorati zulegen, auf CD!

      Wenn ich Deinen Geschmack nicht völlig falsch einschätze, liegst Du mit Dorati genau richtig.

      Viele Grüße,
      Manfred
    • Hallo Manfred, hallo allerseits,

      jetzt wird es doch etwas unübersichtlich. Ich versuche gerade, etwas System in meine weiteren Planungen zu bringen. Ich habe beschlossen, mir keine Gesamtaufnahme zuzulegen. Erstens habe ich schon zu viele Einzelaufnahmen, zweitens finde ich es – gerade wegen der Menge der Symphonien – reizvoller, verschiedene Interpretationsansätze, Orchester etc. kennen zu lernen.

      Und ich muss auch nicht unbedingt alle Symphonien komplett haben. Deshalb noch eine Frage vorweg: Bei mir geht es mit der 44. Symphonie erst los. Die späteren sind sicher die interessanteren, aber wie weit sollte man zurückgehen? Kann man bspw. die ersten 20 weglassen?

      Bzgl. der Aufnahme unter Thomas Fey und den Heidelberger Sinfoniker habe ich mich übrigens geirrt. Die habe ich gar nicht verkauft. Ich höre sie gerade. Eigentlich entspricht sie schon meinem Geschmack, wie ich nun erstaunt feststelle. Es ist diese hier:



      Gruß, Cosima
    • Original von Cosima

      Und ich muss auch nicht unbedingt alle Symphonien komplett haben. Deshalb noch eine Frage vorweg: Bei mir geht es mit der 44. Symphonie erst los. Die späteren sind sicher die interessanteren, aber wie weit sollte man zurückgehen? Kann man bspw. die ersten 20 weglassen?

      Gruß, Cosima


      Liebe Cosima:

      Die Nummern 6-8, nämlich die "Tageszeiten"-Symphonien sollte man wohl eher nicht weglassen, vor allem weil es sehr gute Aufnahmen u.a. mit dem English Concert unter Pinnock (DG Archiv) und mit dem Freiburger Barockorchester (HM) gibt. Ansonsten gibt es eine mögliche Richtschnur bei der Auswahl von frühen Symphonien: Hier tut ein beigegebener Name ("Abschied" etc.) immer etwas zur Sache.

      Nach dem "New Grove" hat Haydn übrigens 106 Symphonien geschrieben. Es kommen die Symphonien A und B hinzu, die Dorati z.B. dann auch aufgenommen hat.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis

    • Die Haydn Symphonien sind immer wieder ein große Freude für das Ohr. Es war schon eine Meisterleistung 104 Symphonien zu komponieren+ Symphony "A"
      Leider werden die Haydn Symphonien unter 80 recht wenig gespielt.
      Ich finde die Aufnahmen mit der Philharmonia Hungarica sehr gelungen nicht langweilig und sehr fröhlich gespielt. Nicht ohne Grund hat die Einspielung einen Plattenpreis bekommen.





      Auch Herbert von Karajan hat gute Aufnahmen gemacht von den Pariser Symphonien und den Londoner Symphonien.

      Gruß Andreas

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von karajan ()

    • Original von Amadé
      Hier noch Hinweise auf sehr gute Haydn-Interpreten, Einiges wurde schon von Euch erwähnt:

      ...
      Brüggen, Orchester des 18.Jahrhunderts, Philips

      Vor kurzem habe ich die "Londoner" Sinfonien mit Brüggen gekauft, aber was da geboten wird, sagt mir nicht sonderlich zu. Gehört habe ich bisher die Sinfonien Nr. 93, 102 und 103. Brüggen nimmt die ersten und letzten Sätze nach meinem Empfinden zu langsam; der erste Satz von Nr. 93 ist so allenfalls ein Moderato, aber keineswegs Allegro assai. Bei den Menuetten ist er dagegen zu schnell, sie verlieren so einen guten Teil ihres tänzerischen Charakters und klingen eher wie ein Scherzo. Die langsamen Sätze strahlen nicht die nötige Ruhe aus; hier wird öfter das Tempo angezogen. Ich habe fast den Eindruck, als würden sie ihn langweilen.

      Abgesehen von den ungewöhnlichen Tempi gibt es noch einige Intonationstrübungen und Ungenauigkeiten im Zusammenspiel, aber das mag dadurch begründet sein, daß es sich um Live-Aufnahmen handelt. Auf der Hülle ist das merkwürdigerweise nicht vermerkt, sondern nur (kleingedruckt) im Booklet. Ich bin gespannt, ob die übrigen drei CD's meinen Eindruck bestätigen...

      Viele Grüße,
      Manfred
    • Manfreds Einschätzung zu Dorati und Adam Fischer teile ich, außer dass ich Dorati gar nicht romantisch finde!

      Meine Lieblingssinfonien:
      Nr. 68 (langsamer Satz!), 94 ("Paukenschlag") und 95 (die einzige der Londoner ohne langsamer Einleitung) in der Interpretation von Nikolaus Harnoncourt mit dem Concertgebow Orchester.
      :down (Die anderen von ihm finde ich alle bloß mäßig oder matt.)

      Übrigens, bei Brilliant Classics gibts neben der GA durch Fischer auch eine Box mit bloß den "Namenssinfonien" für all jene, die weniger Platz haben.
      :wink

      Findet ihr eigentlich die "Pariser" auch interessanter als die "Londoner"?
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von ab ()


    • Findet ihr eigentlich die "Pariser" auch interessanter als die "Londoner"?



      Hallo ab!

      Bei der Aussage schließe ich mich entschlossen an! Ich höre zudem die Pariser Symphonien viel lieber und öffter! Es ist soviel Freude, besonders immer in den ersten Sätzen der Pariser Symphonien zu hören!
      Ich lese ja gerade ein Buch über Joseph Haydn und darin wird geschildert, dass er seine ausgelassene Fröhligkeit, bei den Londoner nur noch Fröhlich sind, aber nicht mehr ausgelassen, entfesselt und frei!
      Er hat sich bei seiner 2. Londonreise viele Sorgen gemacht, wegen dem Krieg, die Franzosen bedrohten England und Europa! Zum aller ersten mal ist wirklich ein bisschen depressiver Haydn in London! Nicht mehr so entfesselt wie der Haydn, der letzten 65 Jahren! Wie Gut das Haydn sonst ein überaus fröhlicher Mensch war, denn ein depressiver Haydn wäre bei weitem nicht so weit gekommen in der Welt der Musik!

      Gruß
      Daniel
      :tongue:
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)
    • Original von Manfred
      Vor kurzem habe ich die "Londoner" Sinfonien mit Brüggen gekauft, aber was da geboten wird, sagt mir nicht sonderlich zu. Gehört habe ich bisher die Sinfonien Nr. 93, 102 und 103. Brüggen nimmt die ersten und letzten Sätze nach meinem Empfinden zu langsam; der erste Satz von Nr. 93 ist so allenfalls ein Moderato, aber keineswegs Allegro assai. Bei den Menuetten ist er dagegen zu schnell, sie verlieren so einen guten Teil ihres tänzerischen Charakters und klingen eher wie ein Scherzo. Die langsamen Sätze strahlen nicht die nötige Ruhe aus; hier wird öfter das Tempo angezogen. Ich habe fast den Eindruck, als würden sie ihn langweilen.

      Abgesehen von den ungewöhnlichen Tempi gibt es noch einige Intonationstrübungen und Ungenauigkeiten im Zusammenspiel, aber das mag dadurch begründet sein, daß es sich um Live-Aufnahmen handelt. Auf der Hülle ist das merkwürdigerweise nicht vermerkt, sondern nur (kleingedruckt) im Booklet. Ich bin gespannt, ob die übrigen drei CD's meinen Eindruck bestätigen...

      Viele Grüße,
      Manfred


      Lieber Manfred:

      In der Tendenz spielt man heutzutage aus gutem Grund die Menuette in den Symphonien schneller als weiland etwa zu Doratis Zeiten. Das Scherzo, das sich ja aus dem Menuett entwickelt und seinen Platz eingenommen hat, ist nicht so zu verstehen, daß die Komponisten jäh die Geschwindigkeit erhöht hätten. Schon vorher war aus dem langsamen Tanz ein schnellerer geworden, ehe er dann völlig unmodern wurde.

      Die Brüggen-Versionen sind Live-Auifnahmen - mit allen Nachteilen natürlich, auch ab und an mit dem Vorteil, spontan zu klingen. Was Intonationsmängel z.B. angeht, so sind diese durchaus auch bei Dorati anzutreffen. Viel Zeit nahm man sich nicht bei den Aufnahmen, alles mußte recht flott gehen.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Hallo zusammen,

      ich muss mich nun auch mal hier zu Wort melden um einiges über die Haydn-Symphonien anzumerken.
      Es war hier ein paar mal von einer "Gesamtaufnahme" der Symphonien mit Christopher Hogwood und der Academy of Ancient Music die Rede. Diese Aufnahme wurde aus finanziellen Gründen von Decca abgebrochen und erschienen sind die Nummern 1-75 sowie 107 und 108. Von den Symphonien 76-78 waren seinerzeit die Masterbänder bereits fertiggestellt, wurden aber von Decca niemals veröffentlicht und sind vor etwa zwei Jahren als Eigenproduktion der Academy of Ancient Music erschienen. Es fehlen also die Nr. 79-104.
      Beim englischen Label Hyperion wurde etwa Ende der 1980er Jahre eine weitere Gesamtaufnahme in Angriff genommen, nämlich mit The Hanover Band unter Roy Goodman. Leider wurde auch dieses Projekt aus finanziellen Gründen nicht vollendet. Diese hier noch gar nicht angesprochenen Aufnahmen sind ebenfalls recht empfehlenswert.
      Noch kurz zu der Frage, wie viele Symphonien Haydn komponiert hat. Den 104 Symphonien nach der Numerierung von Eusebius Mandyczewski hat Anthony van Hoboken noch als Nr. 105 eine für London komponierte Sinfonia concertante für vier Soloinstrumente, als Nr. 106 eine in Haydns eigenhändigem Werkverzeichnis eingetragene aber lange Zeit als verschollen geglaubte Symphonie (sie wurde in den 1970er Jahren wiederentdeckt, ist aber eine einsätzige Opernouvertüre, vermutlich zu "Le pescatrici") und als Nr. 107 und 108 zwei Mandyczewski nicht bekannte, aber in Haydns Werkverzeichnis ebenfalls aufgeführte Symphonien. Von manchen Haydn-Forschern ist etwa die Echtheit der Symphonie Nr. 25 öfters angezweifelt worden, so dass wohl nicht genau gesagt werden kann, wie viele Symphonien Haydn nun wirklich komponiert hat. Übrigens ist die Nummerierung der Symphonien, besonders bis etwa Nr. 75, alles andere als chronologisch richtig, man sollte deshalb sich bei einer "Entdeckungsreise" durch die Haydn-Symphonien niemals an der Mandyczewski-Nummerierung orientieren.

      Liebe Grüsse von Mark
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